Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829929-2848701--46020-2848737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
17 Träger der Alchemie im Judentum, die aber überhaupt unter den Juden auffallend geringe Verbreitung gehabt zu haben scheint. Lippmann hat in seinem ungeheuer materialreichen Werk überhaupt nichts über jüdische Alchemie, und schon Steinschneider macht darauf aufmerksam, daß ,,die hebräische Literatur merkwürdig wenig Material über die magna ars“ biete1. Andererseits ist es Tatsache, daß in der nicht jüdischen alchemistischen Pseudepigraphie auch der älteren, d. h. hier: vor Paracelsus und den Rosenkreuzern liegenden Zeit manche jüdische Autoritäten eine teilweise bedeutende Rolle spielen2. Aber diese Autoritäten sind keine Kabbalisten! Als Nicolas Flamel — einer der Wenigen, von denen die Mystiker und Alchemisten annehmen, daß ihnen die Herstellung des Steins der Weisen gelungen sei — 1357 in Paris ״für billiges Geld“ eine auf Baumrinde (!) geschriebene Handschrift kaufte, die er nicht verstand, da war es nicht etwa ein Kabbalist, sondern ein (getaufter) jüdischer Arzt, der ihm 1378 in S. Jago di Campostella die Deutung der Schrift, welche von einem ״Juden Abraham“ als Anweisung an seine Volksgenossen verfaßt sein soll, und damit das Geheimnis der Alchemie eröffnete3. Ob nun historisch oder mythisch, jedenfalls ist dieser Bericht typisch dafür, wer in den Augen der alten Alchemisten die Träger ihrer Weisheit unter den Juden waren. In der Tat wurde in der hebräischen Literatur dem Maimonides in seiner Eigenschaft als Arzt und Naturkundigem eine Abhandlung über Alchemie untergeschoben4. Es sei auch kurz darauf hingewiesen, daß der naturwissenschaftlich sehr interessierte Simon ben Zemach Duran (Anfang des 15. Jhdt.) in seinem großen philosophischen Werke sich über die Bestrebungen der Alchemisten unter starker Polemik gegen sie verbreitet5. Wo sich in einzelnen hebräischen Piss, aus älterer Zeit Alchemistisches findet, liegt keinerlei Verbindung mit Kabbala vor, so z. B. in Cod. Mon. 214 nach Pseudo-Maimonides, Cod. Vatican. 375 f. 53—60. Dasselbe gilt vor allem von der von G a s t e r 1. c. I, p. 330—32 beschriebenen Hs. seiner eigenen Sammlung, dem umfangreichsten bisher bekannten alchemistischen Codex in hebräischer Sprache, der aber durchweg aus Uebersetzungen und Bearbeitungen arabischer und lateinischer Traktate besteht. Gasters Hs., die aus נ Hebräische Uebersetzungen, p. 273. Aehnlich Gaster in seinem Artikel Alchemy in Jewish Encyclopedia I, p. 328. Vgl. auch die großenteils ephemeren Ausführungen Waites in dessen Doctrine and Literature of the Kabalah, London 1902, p. 449—60, wo aber mehrere interessante Einzelbeiten. 2 Zitate jüdischer Autoren in alchemistischen Schriften hat Stein- Schneider, Hebr. Ueb., p. 963, ״an passendem Orte zu verzeichnen66 versprochen. Leider ist mir nicht bekannt, daß er zur Ausführung dieser Absicht gekommen wäre. Einiges findet sich bei Gaster, a. a. O., p. 328 ff. und bei Waite a. a. O. 3 Kopp I, p. 206. 4 אגדת הסודות in Cod. Mon. 214, cf. Steinschneider, Zur pseudepigraphischen Literatur (1862), p. 26—27, Hebr. Ueb., p. 765 und 922. 6 Siehe Magen Abhoth, Livorno 1785, f. 10a. Die klassischen jüdischen Philosophen erwähnen die Alchemie nur ganz fLüchtig und ebenfalls ablehnend, vgl. z. B. Kusari III, 53. Vgl. auch Bachia in חובות הלבבות, am Anfang des שער הבטחון. Monatsschrift. 69. Jahrgang. 2