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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 16

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Alchemie und Kabbala
Date
1925-01-01
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 ■dische Entwicklung, die zu so paradoxen mystischen Konzeptionen geführt hat wie der des Weiblichen als Korrelat des richtenden Urteils und der Strenge, unschwer übersehen — eine Untersuchung, die uns aber hier nicht weiter berührt. V So ist es denn eine verständliche Tatsache, daß im Judentum in den kabbalistischen Kreisen niemals praktische Alchemie getrieben worden ist. Es waren zwei Gebiete, die nicht zueinander paßten. Ich habe in keinem hebräischen kabbalistischen Buch oder Manuskript alchemistische Anweisungen und Praktiken, die auf das ,,große Werk“ Bezug haben, gefunden. Und es scheint fast kein Zufall zu sein, daß die Fragmente des einzigen, alchemistisch-kabbalistischen Versuches der älteren hebräischen Literatur uns nur durch ein lateinisches Werk erhalten worden sind, wie wir sehen werden. Daß die sogenannte ,,praktische Kabbala“ auch hier nichts mit der systematischen Mystik zu tun hat, auf deren Grundanschauungen und Symbole sie erst spät überhaupt irgendwelche Rücksicht zu nehmen beginnt, sollte kaum betont zu werden brauchen. ,,Praktische Kabbala“ ist im späteren Sprachgebrauch1 * * das Sammelbecken für alles, was aus der internationalen Magie und Folklore ins Judentum hineinkam (und dann sehr oft in schwach judaisierter Form stark auf die Umwelt zurückgewirkt hat). So findet man denn auch in manchen Segulloth-Handschriften kurze (jeder alchemistischen Symbolik entbehrende) Rezepte zum Goldmachen, aber all diese Hss. sind sehr spät, und die Rezepte, wie ja auch der meiste sonstige Inhalt, nicht jüdisches Gut. Im Volksglauben und der Praxis Einzelner, besonders Aerzte, mögen sie eine mehr oder minder bedeutende Rolle gespielt haben, aber von den Mystikern sind sie nicht in ihren Anschauungskreis auf genommen worden. Und in der Tat ist, da die Umdeutungsmöglichkeit der Alchemie für Kabbalisten wegfiel, ihr experimentell-chemischer Gehalt unter den Juden den Aerzten und Naturkundigen zugefallen. Sie sind die einzigen historischen 1 Der. Ausdruck קבלה מעשית ist seinem Ursprung nach unklar. Der älteste Beleg, den ich für ihn wüßte, stammt aus der Schule Abulafias (ca. 1300), denn die dort entstandene pse.udo-mäimonidische מגלת התריס teilt die Kabbala in prophetische נבואית, rabbinische רבנית und praktische מעשית ein, vgl. Ghemda genusa, p. 45. Der Autor des Sepher ha־Schem (nicht Mose de Leon, vgl. Kirjath Sepher I, Jerusalem 1924, p..45—52) kennt um 1350 die Binteilung in theoretische und praktische Kabbala. Die letztere heißt bei ihm, mit Benutzung des alten gaonäischen -Terminus für ,,magische Praktik4‘, חכמת ד״שמוש. Und schon er erklärt (Venedig 1601 f. 3a), daß er nichts mit ihr zu tun habe und nichts von ihr verstünde. Das Buch Peliah, Meir ben Gabbai, David ibn Simra, Mose Kordovero u. a. geben in ungleich schärferem Ton dieselbe Erklärung ab (vgl. im ״Juden44 VI, p. 60), die einen offenbar notwendig gewordenen Kampf gegen eine von diesen Autoren gut beschriebene Art jüdischer Vulgärgnosis bezeugt., Die Anwendung auf die Praxis des mystischen Weges der Meditation, ist, um dies ausdrücklich hervorzuheben, bemerkenswerter Weise niemals unter קבלה מעשיה verstanden worden. Sie gehört für alle Mystiker zur קבלה עיונית, wobei ja auch der Doppelsinn von עיון für Spekulation und Meditation (wie griechisch 9־su>pLa) eine Rolle spielt. Abraham Abulafia, der Klassiker der rein meditativ-ekstatisch, also praktisch gerichteten Kabbala, nennt die praktischen Kabbalisten, die Dämonologen, gegen die er aufs heftigste polemisiert : בעלי שמות (Jellinek, Philosophie ■ und Kabbala, p. 22). Auch dieser Ausdruck hat eine eigenartige Geschichte, auf die ich in einer Untersuchung der hebräischen Synonyma für ״Mystik44 und ,,Mystiker44 zurückzukommen denke.

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