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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 15

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Alchemie und Kabbala
Date
1925-01-01
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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Ohne vorerst weiter die Uebergänge zu verfolgen, .welche von der Kabbala im ehr i s 11 i c h e n Gewände zur Alchemie führten, haben wir vor allem die Frage zu beantworten: Wie steht die Kabbala in ihren. Originalquellen, als ein in bestimmten Grundzügen ihrer klassischen Entwicklung — spätestens vom 12. Jahrhundert bis ca. 1600 — einheitliches System der mystischen Symbolik, zur Alchemie? Die Antwort, welche man bei den Historikern der Alchemie vergeblich sucht, ist einfach. Das Zentrum aller, wie immer verstaudenen Alchemie, ist die Transmutation der Metalle in Gold — wärtlieh oder symbolisch ist gleich — als das Höchste und Edelste, das• in der Welt existiert. Auch für den Mystiker unter den Alchemisten: ist das Gold Mittelpunkt der ,,Arbeit'f, als Symbol des höchsten moralischen und geistigen Standes. Ohne diese Voraussetzung gibt es keine Alchemie. Aber gerade diese Voraussetzung und Auffassung vom Golde ist völlig unver: einbar mit der kabbalistischen Symboli k! Denn der Kabbala ist das Gold gar nicht Symbol des höchsten Standes. Die gesamte kabbalistische Literatur in Hunderten und Aberhunderten von Texten und Symbolverzeichnissen — letztere hundertfach gerade in den Hss. vorkommend1 — ist, mit den ganz wenigen im Folgenden ausdrücklich aufgeführten und besprochenen Ausnahmen, darin einstimmig, im Silber das Symbol der rechten Seite, des Männlichen, der Gnade und Liebe zu sehen (weiß, Milch), im Gold dagegen das Symbol der Linken, des Weiblichen, der Strenge und des richtenden Urteils (rot, Blut und Wein)2. Mit dieser — religionsgeschichtlich überaus auffälligen! — Symbolik entfällt a priori jede Möglichkeit, von dem wirklichen, allen gemeinsamen kabbalistischen Grundschema der Welt und ja gerade der inneren, geistigen, theosophischeri Welt aus die Herstellung des Goldes für etwas Wesentliches zu halten. Und wie konnte ein Kabbalist sich in der Symbolik des mystischen Weges nach innen das Gold, dem höchsten Repräsentanten dessen, was er auf diesem Wege noch zu überwinden hatte: des דין, der Strenge und des richtenden Urteils, als das vorstellen, was er aus sich herauskristallisieren wollte3? So ergibt sich hier eine Unversöhnlichkeit der Grundmotive, welche freilich den echten, wie alle Mystiker über Stock und Stein harmonisierenden Alchemisten umso weniger auf fallen konnte, als ja in der Tat hochstens zwei oder drei von ihnen je echte kabbalistische Schriften gelesen haben oder auch nur zu lesen imstande gewesen wären. Freilieh ist, wie schon gesagt, die kabbalistische Symbolik sehr eigenartig. Ueberall sonst im Symbolkreis der hellenistisch-abendländischen Welt, und vor allem in der Alchemie selbst4, ist das Männliche rot und das Weibliche weiß. Immerhin läßt sich die innerjüdische hagga- 1 In Form von ,,Sephirothnomenklaturen“, wie Steinschneider in seinen Schriften sie zu nennen pflegt. 2 Vgl. zuerst im Buch Bahir §§ 35 und 93 meiner üebersetzung (1923), nach deren Einteilung.ich auch im Folgenden zitiere. 3 Zosimos, dessen Alchemie stark ins Mystische schlägt, stellt den Silbermenschen apppdvüpojnroc; als Vorstadium vor den Goldmenschen xpoaav&poMioc: (Lippmann, p. 31). Kabbalistische Symbolik müßte genau entgegengesetzt sein. 4 Vgl. Symbole wie ,,Weißes. Weib“, ,,Roter Mann“ in der Alchemie zur Benennung gewisser Stoffe, Süberer p. 79—88.

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