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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 11

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
Date
1925-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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:geben, *jedenfalls kann vor dem Ende aller Tage und aller Dinge ein Nichteintreffen niemals konstatiert werden. H. M. Wiener deutet _z. B. Jesaja 1114 und Zephania 29b auf die Siege der Makkabäer.* Was hindert nun, anzunehmen, daß die Vorausschau nicht wie im vorliegenden Fall auf ein halbes oder ein dreiviertel Jahrtausend, *sondern auf zwei oder drei Jahrtausende geschieht, und demgemäß ganz konkrete Ereignisse unserer Zeit als eine Verkündigung der Weissagungen eines Micha oder Hosea zu betrachten. Was in den י Tagen Serubabels und Esras von den vorexilischen und späteren Heilsverkündigungen sich nicht restlos realisiert hat, vielleicht holt es das neue ארץ ישראל unter der Ausführung der Balfour-Deklaration mach. Ein religiös gestimmter, vom Bibelglauben erfüllter Mensch kann gegen derartige Folgerungen keinen Einwand erheben; aber wenn er gleichzeitig von dem erfaßt ist, was wissenschaftlicher Geist meint und bedeutet, wird ihm völlig deutlich sein, daß er niemanden ,zwingen kann, den eigenen Glauben, der aus der Gläubigkeit stammt, zu teilen, ihm seine Wahrheit zu beweisen. Am Sonnabend, dem 9. November 1918, brachen in Deutschland 22 Fürstenthrone zu- :sammen. Wer damals in der für jenen Sabbath bestimmten Haphtara die Verse Hosea 1310 f. las: ,,Wo ist nun dein König, daß er dich rette Ich gab dir einen König in meinem Zorn, und ich nehme ihn in meinem Grimm!“ konnte über dieses merkwürdige ,Zusammentreffen höchst erschüttert sein. Die Ausdeutung der Danielweissagungen und anderer jüdischer und nicht jüdischer apo- .kalyptischer Verkündigungen hat zu allen Zeiten — und nicht zuletzt in unsern Tagen —־ viele gläubige Herzen aufs äußerste erregt und entflammt. Ein ,,Beweis“ für das Wunder aber ist wie im all- ,gemeinen so im besonderen für die Sphäre der überirdisch vermittelten Zukunftsverheißung ein Ding der Unmöglichkeit, d. h. mit "andern Worten: ,,wissenschaftliche“ Aussagen über das ,,Ueber- :natürliche“ kann es nicht geben. Wo man sie doch versucht, vermengt man offenkundig das nur als religiös zu Erlebende und zu Glaubende, die Erfahrung des Herzens, mit demjenigen, was — wenn bewiesen — jedermann auf gezwungen werden kann. Mitten auf das psychologische Hauptproblem des Wesens der Prophetie richtet sich das Buch von J ohannes Hänel, das Erkennen Gottes bei den Schriftpropheten ^Berlin, W. Kohlhammer 1923). Die Untersuchung geht auf das Selbstbewußtsein der Propheten, in welchem ihnen die ' Gewißheit von Gottes Wirklichkeit und Offenbarung zuteil wird. Es handelt sich also nicht um eine solche psychologische Zergliederung, welche — etwa im Sinne von Hölschers ,,Propheten“ י— über das proiphetische Erleben das Rahmengefüge umfassender Kategorien — Ekstase und Hypnose — wirft, sondern um das Selbstzeugnis des prophetischen Geistes, um die Art, wie er selber in sich die Innewerdung des Göttlichen zu erfahren meint. Ganz außer Betracht -bleibt die Frage, nach der ,,Wahrheit“, d, h. dem objektiven Sinn und Wirklichkeitscharakter der inneren Phänomene. Dieses wäre .*schon ein Problem der Reli^ onsphilosophie, dessen Lösung man am wenigsten vom Träger des Offenbarungserlebnisses erwarten ' darf, in dem Wahrnehmung und Gewißheit eines objektiven Seins

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