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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 10

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
Date
1925-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 ziel aber zum gemeinsamen Reich der Wissenschaften gehört. H. M. Wieners Buch führt, bei meisterhafter Beherrschung des Quellenmaterials und seiner Benutzung, trotz der subjektiven Absicht, Forschungsziele fördern zu helfen, von der eigentlichen Erkenntnis der Tatsachen und-Erscheinungen ab und mitten in das Erleben des Religiösen, in den Glauben hinein. Diese bald zu beweisende Behauptung soll gewiß kein Vorwurf gegen diese auch als gelehrte Arbeit uns höchst willkommene Gabe sein; sie will nur auf die unserer Beurteilung gezogenen Grenzen von vornherein hindeuten. Hier erscheinen nämlich die Propheten ohne jede Ver- . kleidung und Ablenkung als Pro—pheten, als gotterfüllte und durch eine göttliche, übernatürliche Erleuchtung über die Zukunft aufgeklärte Vorhersagen Gegen die drei Thesen der ,,rationalistischen - Position“ kämpft H. M. Wiener: 1. Es gibt kein übernatürliches Element in den Propheten; 2. die Propheten haben nur in dem Maße vorausgesagt, wie es für scharfsinnige, keine außergewöhnliche göttliche;Leitung besitzende Persönlichkeiten möglich war; 3. sie kehren sich grundsätzlich nur an die Zustände des eigenen Zeitalters. —Es ist leicht zu sehen, daß diese drei Momente auf eines hinäusläufen, auf die Leugnung des überirdischen Charakters der : prophetischen Zukunftsverkündigung. Die ,,rationalistischen“ Theologen haben sich denn auch das besondere mit innerlichster persönlicher Teilnahme begleitete Thema gestellt, nachzuweisen, daß die Prophezeiungen häufig — wenn nicht gar in der Regel — nicht in Erfüllung gegangen sind; ja die nicht verwirklichte Weissagung wird mitunter von ihnen gar als das Kennzeichen der echten Prophetie angesehen, derjenigen, die nicht nachträglich dichtende Erzählungen in der Form des vaticinium ex eventu ist. Gegen diese Skepsis wendet sich W. Für seine Auffassung von der Prophetie ist kennzeichnend, daß sie wesentlich als Weiss a g u n g behandelt und als die wahre nur durch die von Gott in wunderbarer Weise eingegebene Offenbarung gewürdigt wird. Bei dieser Einstellung beruht die Aufgabe der Geschichtsforschung offenbar darin, die prophetischen Verkündigungen und die tatsächlichen Ereignisse in den Geschichten des Gottesvolkes und der in seine Entfaltung eingreifenden Nachbarnationen, schließlich des Menschengeschlechtes, miteinander zu vergleichen. Der Verfasser verfährt so, und die israelitische Geschichte, die im Rahmen der Weltereignisse des vorderen Orients vom 8. Jahrhundert bis zur prophetischen Spätzeit hier dargelegt ist, wird durch die Einarbeitung der die Geschehnisse begleitenden oder ihnen voraus- .״ eilenden Verkündigungen der Gottesmänner zu einer rechten ,,heiligen“ Geschichte. Es wird der Versuch gemacht, eine möglichst lückenlose Liste der Weissagungen und ihrer Erfüllungen zu geben, in welchem die scharfe Abfuhr hyperkritischer Exzesse alle Zu- Stimmung verdient. Wir haben aber gegen dieses Verfahren ein grundsätzliches Bedenken geltend zu machen. Wenn Weissagungen auf weite Sicht, eventuell über viele Jahrhunderte hinaus, zugestanden werden, ־ dann allerdings kann es unerfüllte Prophezeiungen überhaupt nicht

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