Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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über den Inhalt der einzelnen Gesetze hinaus auf den ganzen kulturellen Zustand und den sozialen Geist eingehen, um zu wirklichen Ergebnissen zu gelangen. Gegen die־ zerfetzende Hyperkritik wendet sich ein exegetischer Versuch von J a c o b H o r o v i t z , d i e J osephser zih 1 an g (I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1921). An einem Ausschnitt aus der ’ Pentateucherzählung sollen die Irrwege der kritischen Schule beleuchtet werden. Horovitz folgt im wesentlichen, soweit es sich lediglieh um das unmittelbare Textverständnis handelt, B. Jacobs in ״Quellenscheidung und Exegese im Pentateuch“ niedergelegten Ansichten, geht aber in der literarischen Würdigung, vor allem durch die Heranziehung des Midrasch, auch eigene Wege. Zur Erklärung steht eine Anzahl angeblicher oder wirklicher Widersprüche, besonders in Kapitel 37, die eigentlich erst in neuerer Zeit von Gunkel als die Bruchstellen der aneinanderstoßenden Quellenschriften angesprochen worden sind, während frühere Ausleger in der schönen Josephgeschichte eine Einheit wahrzunehmen glaubten. Die behandelten Schwierigkeiten betreffen zunächst die Frage: wer hat Joseph verkauft? Nicht die Brüder! Sondern die midianitischen Kaufleute, die den Joseph aus der Zisterne herausholten und an vorbeiziehende Ismaeliten um 20 Silberlinge verhandelten. Tatsächlich ist diese von B. Jacob mit unleugbarem Geschick verfochtene — schon von älteren jüdischen Exegeten vertretene — Auffassung sehr wohl möglich; denn nichts zwingt dazu, dem וימשכו ♦ ♦ וימכרו in Gestalt der Brüder ein neues Subjekt zu geben. Damit ist aber diese — für die Aufteilung der Josephsgeschichte in verschiedenen Quellenschriften wichtigste —Bruchstelle tatsächlich geschlossen. Ebenso folgt Horovitz der Untersuchung Jacobs, eine Einsicht in die Rollen, die Rüben und Juda in der Rettung Josephs aus der brüderlichen Mordgier spielen, zu gewinnen. Ohne daß wir uns hier in die Einzelheiten verlieren können, muß bei diesem wie bei dem folgenden Punkte, der die angebliche Verteilung der verschiedenen Haßmotive auf die drei Quellen betrifft, ebenso hinsichtlich der Potipharepisode, festgestellt werden, daß der Zustand der vorliegenden Geschichte allein in der Tat niemals jemanden zu dem Gedanken zwingen müßte, daß sie aus drei oder noch mehr Stücken zusammengesetzt sei, wenn nicht die allgemeine Theorie von den drei Dokumenten auch hier sozusagen ihr Opfer heischt. Das ist freilich auch der Grund, weswegen solche Teilangriffe niemals eine volle Wirkung haben können, weil der Verteidiger der kritischen Position immer auf die anderwärts ״bewiesene“ Theorie sich stützen wird, die im vorliegepden Falle durchaus nicht widerlegt, sondern nur als nicht unbedingt nötig auf gezeigt sei. — Als besonders wertvoll an Horovitz׳ Arbeit vermerken wir die stete und aufschlußreiche Bezugnahme auf die a 11 enErklärer und auf den Reflex/welche die Josephserzählung im Midrasch gefunden hat. — Der zweite Teil befaßt sich - mit dem mutmaßlichen Ursprung der Potipharg e s c h i c h t e. In der Voraussetzung, daß die Josephserzählung heben sagenhaften Bestandteilen auch märchenhafte und mythologische Elemente birgt, hatte man das ägyptische Märchen von den