Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1925) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1925)
Article
Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
Date
1925-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829927-2829929-2848700--46006-2848724
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

.־■■■ י' ,;. .י־ * י . 4 zählten Ereignissen und dargestellten Zuständen zeitlich nahesteht. Und es gewinnt bei Berücksichtigung dieses Tatbestandes die Hypothese, daß der heutzutage auch von der ,,kritischen“ Wissenschaft in seiner Geschichtlichkeit und überragenden Bedeutung anerkannte Prophet und Volksführer Moses1 der Verfasser zumindest weiter Partien des Pentateuch sei, — ganz vorsichtig gesprochen —־ sehr ernstliche Beachtung. §. will ein in Goschen entstandenes ältestes Gesetzbuch, das Bundesbuch, als Kristallisationskern der späteren Gesetzbücher herausheben und diesem Dt. und P. in ihrem wesentlichsten Umfange zu noch mosaischer Zeit angegliedert wissen. Daß die nachexilische Entstehung des P. schon in Hinsicht auf seine dann kaum denkbare Rezeption durch die Samaritaner eine sehr unwahrscheinliche Sache ist, wird erneut mit guten Gründen dargetan. Daß man das Alter der Opferthora nicht mit dem jeremianischen Hinweis auf die angeblich opferlose Frühzeit des Volkes bekämpfen kann, ist selbstverständlich. Die Deuteronomiumfrage will S. so lösen, daß es sich bei der Auffindung der Gesetzgebung im Tempel tatsächlich um ein altes Gesetzbuch, nicht aber um eine Mystifikation handelt. Wir müssen uns die Behandlung der sehr beachtlichen Details, die der Verfasser anführt, versagen. Nur die grundsätzliche These, die u. E. in Wahrheit der Pentateuchforschung zu Grunde zu legen ist, und die S. scharf formuliert, sei herausgehoben. Es geht um die Frage der Entwicklung religiöser Gedanken und ihrer urkundlichen Festlegung. Ist es wirklich eine a priori feststehende Tatsache, daß hier die Entfaltung des Menschheitsgeistes über die Etappen des Animismus, der verschiedenen Gestaltungen des Polytheismus und Henotheismus zum geistigen Monotheismus fortschreitet? — Der Verfasser zeigt klar, daß es für dieses ,,Faktum in der ganzen Welt der Religion kein anderes Beispiel gibt“ — als die Hypothese der Bibelkritik, welche rein stimmungsmäßig in die Geschichte des biblischen Geistes hereingetragen wurde, um dann als Ausgang der kritischen Deutung zu dienen. In der Tat, gibt man den Monotheismus der mosaischen Stufe zu, ־— und das tun ja heute nicht mehr vereinzelte kritische Forscher — dann bekommt die ganze biblische Religionsgeschichte ein völlig verändertes Gesicht. Dann wird auch die durchgehends von den Propheten vertretene Ansicht bestätigt, daß sie nichts lehren, als was nicht seit der Urzeit des Volkes schon als göttliche Offenbarung feststand. Die philosophische Frage nach Möglichkeit und Sinn einer supranaturalen Offenbarung kann hierbei noch gänzlieh außer Diskussion bleiben; sie wäre an anderer Stelle zu verhandeln. Es dreht sich allein darum, ob die naive Hypothese zutrifft, daß immer und überall auch in geistigen Dingen ein Hohes und Herrliches aus dem Nichts oder dem Fast-Nichts erwächst, oder ob es nicht Persönlichkeitsschöpfungen gibt, die in ihrem tiefsten Kern unableitbar den Durchbruch heiliger Wahrheit bedeuten. Hier erst wölbt sich die Pforte zur Frage nach der Wahrheit der Religion. In der Philologie dürfen wir nicht hoffen, sie zu finden. 1 Vgl. Sellin, Mose 1922 (von uns besprochen MGWJ. 1923, 142).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.