Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Article
- Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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seine. Selbstoffenbarung verlangt, daß das Wunder in der ganzen Massivität seines Charakters, der die wissenschaftliche Erfahrung aus den Angeln reißt, so gewiß zu Gott gehört, wie dieser zur Religion, braucht aber darum kein einziges Dokument, welches von göttlichen Offenbarungen handelt, als absolut adäquaten Ausdruck göttlicher Mitteilungen anzuerkennen. Man kann vielmehr, oder man muß sogar die Form ־— und zwar schon die älteste uns zugängliche Gestalt, der fraglichen Urkunden — als das Ergebnis einer Tradition betrachten, welche in dem Moment beginnt, da der erleuchtete Gottschauer seine Erlebnisse zu Worten formt. Tatsächlich ist S. auch weit davon entfernt, den M. T. als sakrosankt anzusehen. Er nimmt sogar sehr einschneidende Aenderungen an ihm vor, wenn er z. B. unter Berufung auf LXX und Sam. die pentateuchischen Zahlenangaben als unannehmbar hinstellt, die Volkszählungsergebnisse, als durch Gematria entstanden, auf ein Prozent reduziert und vielfach nachmosaische Glossen und Modifikationen nachweist. Gerade darum aber sollte er gegen die Kritik der landläufigen protestantischen Manier nicht immer und immer wieder den Standpunkt des Supranaturalismus geltend machen, der mit jener grundsätzlich vereinbar bleibt; sondern er sollte sich in einer philologischen Untersuchung von dogmatischen und religionsphilosophischen Erwägungen, die den Kern seiner Erörterungen faktisch kaum berühren fernhalten. S. sieht im Pentateuch ganz wesentlich eine literarische Einheit, die, wenn schon nicht in ihrer überlieferten Form, so doch im Hauptbestand der von ihr zusammengefaßten historischen wie gesetzlichen Materialien von Mose herrührt. Sein Hauptkampf richtet sich somit gegen die-Vierquellentheorie. Eine vorurteilslose Beurteilung wird ihm zugeben, daß z. B. die Argumente, welche die Theorie aus der Wortstatistik für sich in Anspruch nimmt, mit mindestens dem gleichen Recht gegen sie ins Feld geführt werden können, daß ferner Stilkriterien, die man aus dem paränetischen Charakter des Deuteronomiums geltend gemacht hat, genau so zutreffend für paränetische Partien von P. sind. Ueberhaupt ergibt die gründliche und scharfsinnige Nachprüfung vieler sogenannter gesicherter Ergebnisse der Bibelwissenschaft deren Fragwürdigkeit in oft eklatanter Weise: Vergleich zwischen dem Gesetzesgehalt von Dt. und P. einerseits und demjenigen der früheren Gesetzgebung andererseits, die verschiedenen Festkataloge, Opfer etc. Die Aufstellungen der bekämpften Kritik hängen freilich nicht nur von der philologischen Analyse des Pentateuch ab, sondern mehr noch von dem allgemeinen geschichtlichen und religionshistorisehen Rahmen, dem die Entfaltung des biblischen Geistes einzuspannen ist. Wenn die aus Aegypten ziehenden Israeliten eine ״illiterate Horde“ gewesen sind, ein rohes, jeder Kultur bares Volk, — dann freilich wird die Konstruktion Recht behalten, welche das Etwas aus der Summierung vieler Nichtse aufgebaut sein läßt. Nun aber scheint doch die Sache so zu liegen, daß die getreue Wider- Spiegelung des ägyptischen Kulturkolorits, wie sie S. sehr glücklich sowohl in den Josephswie in den Exoduserzählungen aufweist, einen Autor mindestens sehr wahrscheinlich macht, der den er- 1*