Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829921-2829923-2848561--45621-2848671- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
80 artigen Ausdrücken Fühlen und Denken vergröbern, d. h. verunreinigen, gemein machen. Denn was zum Munde hin ausgeht, geht durch das eigene Ohr ins Herz hinein (vgl. das Wort: דרקק לעיל על אפוי נפל, י Wer nach oben speit, dem fällt der Speichel aufs Gesicht zurück“, Koh R 7). Wenn die oben angeführten Schlußworte (S. 720): ,,Während ein ,,reines Wort“ ein Wort ist, das vom Anstößigen dezent redet“ etwa sagen wollen, daß es den Rabbinen bloß auf die Dezenz des Wortes, nicht aber auf die ethische Reinheit des Denkens und der Absicht ankommt, so müßte eine solche Unterstellung entschieden zurückgewiesen werden. Man braucht nur hinzuweisen auf Worte wie: הרהורי עברה קשים מעבדה (Joma 29a), חהלת עברה הרהור הלב (Derech Erez Sutta), כל ליצנותא אמורא (Meg 256), המרבה דברים מרבה חטא (Aboth 1) und auf das zum Spruchwort gewordene Mischnawort: המחובר לטמא טמא (Bk 92b), ferner auf die Tatsache, "daß im Sündenbekenntnis des Yersöhnungstages nicht weniger als neunmal von den Sünden die Rede ist, die man durch Worte des Mundes (darunter auch בטמאת שפתים) begangen hat (vgl. auch die oft vorkommende Bitte וטהר לבנו). Neu an dem Worte Jesu ist bloß die eindrucksvolle Antithese. Denn auch der Gedanke, daß nicht die Sache an sich die Unreinheit erzeugt und daß es sich nicht um physische Vorgänge handelt, war gleich R. Jochanan b. Sakkai (s. S. 719) auch den anderen Rabbinen klar. Was nun das Händewaschen betrifft, von dem das Jesuwort ausgegangen f ist, so können wir Israeliten den Rabbinen dafür dankbar sein, daß sie auf die Befolgung dieser Vorschrift achteten. Denn daß die Reinheit der Hände, nsbesondere wenn sie als religiöse Forderung angesehen und dadurch zum Symbol wird, auf die Reinlichkeit des inneren Wesens nicht ganz ohne Wirkung bleibt, ist auch dem modernen Menschen einleuchtend. S. :789. Es ist kaum gerechtfertigt, aus der unter e angeführten Stelle Arakh 16b die Schlüsse zu ziehen, die S. 787 gezogen werden. Denn erstens stehen dieser vereinzelten Stelle sehr viele gegenüber, welche die Zurecht- Weisung als ungemein wichtig preisen. Ueberdies handelt es sich an dieser Stelle, wie aus dem angeführten Beispiele des R. Huna zu ersehen ist, um eine.Zurechtweisung bei persönlichen Differenzen, die manche aus Bescheidenheit oder um nicht zu beschämen, unterließen. Wo es sich um wirkliche VerfehJurigen handelt, war natürlich die Zurechtweisung ein nicht zu umgehendes Gebot. Daß mancher, der zurechtwies, nicht so war, daß er die innere Berechtigung dazu hatte, und daß manche, die man zurechtwies, gegen die Zurechtweisenden ausfällig wurden, das ist natürlich. Das war immer so und wird immer so sein. Aber die Persönlichkeiten, die S Dt (s. S. 788b) darüber sprechen, zeigen am besten, daß es gerade zu ihrer Zeit Männer genug gab, welche die Qualifikation zum Zurechtweisen besaßen. S. 910. Zu Mt 23sb: ,,Daß Theorie und Praxis bei den Gelehrten häufig auseinanderfielen, erkennt man. an den diese Erscheinung bekämpfenden Aussprüchen“. Es ist nicht zu bezweifeln, daß es Schriftgelehrte gab, die Wasser predigten und Wein tranken. Wann und in welcher Kirche hat es solche Prediger nicht gegeben? Daß es aber so häufig yorkam, daß man es dem ganzen Stande zum Vorwürfe machen konnte, das zu bezweifeln ist genügender Grund vorhanden, und man muß sagen, daß Mt 23 nicht gerade vom Geiste wahrer Gerechtigkeit durchwaltet ist und jene Liebe vermissen läßt, die Kap. 5 gepredigt wird. S. 912 : ,,Doch, war es einem ungelehrten Juden, der für sich und die Seinen das zum Leben Nötige ehrlich erwerben, .zugleich seinem Gott in treuer Frömmigkeit dienen wollte, unmöglich, die schier zahllosen Sätze der. Schriftgelehrten zu kennen, geschweige denn zu beobachten“. Jene Juden, welche ganz nach den Vorschriften der Schriftgelehrten leben, sind wohl am ehesten kompetent, über die mit solchem Leben verbundenen Schwierigkeiten zu urteilen, und ihr Urteil lautet ganz anders. Wer in einem frommjüdischen Hause; erzogen. ist, merkt sehr wenig von all diesen Schwierigkeiten. Die einzige wirkliche Schwierigkeit in unserer Zeit, der Sabbat, hatte in einer״ völlig jüdischen Umgebung nichts zu sagen. S. 915. Elbögen hat schon recht. Daß es unter den Rabbinen oder Jüngem ehrsüchtige gegeben haben wird, ist zweifellos. So war und ist es immer . unter den Menschen. Aber ebenso sicher ist es nach allen Zeugnissen, daß es sich stets bloß um eine kleine Minderheit von unbekannten Größen gehandelt hat und daß die Verallgemeinerung bei Mt ungerechtfertigt ist; Die