Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 12)
- Language
- German
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79 verbunden ist, so wurde das von einem Gelübde überhaupt nicht tangiert. Selbst völlig Fremden, gegen die man ein gleiches Gelübde ausgesprochen hatte, durfte man sehr wesentliche Dienste leisten, wenn damit keine הנאת ממון (materieller Vorteil) verbunden war (s. den ganzen 4. Perek von Mischna Nedarim) Wenn also auf dem Worte ,,ehren“ der Ton liegt, so ist der Vorwurf unberechtigt. War aber praktisch das Gelübde bedeutungslos, so konnte es überdies ohne jede Schwierigkeit beseitigt werden. Der Sohn brauchte nur vom חכם auf die Ungehörigkeit eines solchen Gelübdes hingewiesen zu werden und zu sagen, daß er bereue, und die Sache war gemacht (Ned 9!). Ja, wenn eine Lösung eines solchen Gelübdes überhaupt verlangt und es nicht von vornherein als nichtig bezeichnet wird, so geschieht es nur aus erziehlichen Gründen (MNed öfter שלא יקל ראשו לכך, שלא ינהגו קלות ראש בנדרים). Nach R. Elieser (ibid. 9!) wurde sogar bei jedem anderen Gelübde, wenn der Gelobende wegen der Lösung zum חכם kam, die Erörterung damit begonnen, daß man zu ihm sagte: ,,Du machst deinen Eltern Unehre“. Wenn die חכמים das nicht gutheißen, so geschieht das bloß, weil es dann überhaupt keine Gelübde gäbe. Jeder würde sich auf die Elfern berufen. Daß ferner Gelübde gegen Eltern als ganz ungewöhnlich angesehen wurden, zeigt die Bestimmung, daß ein Gelübde gegen eine Gruppe unbekannter Personen hinfällig wird, wenn es sich herausstellt, daß Eltern oder Geschwister sich bei dieser Gruppe befunden haben. Daß sie außergewöhnlich waren, dafür bürgt auch die Tatsache, daß das Gebot der Elternverehrung als eines der höchsten galt und man in der Erfüllung dieses Gebotes kein Genug kannte (s. S. 705 ff.). — Das S. 716 oben erwähnte Beispiel beruht auf Irrtum. Es handelt sich nicht um einen Fall, wo der Sohn ein Gelübde getan batte, dem Vater nichts zu geben, sondern der Vater hatte gelobt, von dem Sohn nichts zu nehmen (in den Talmudausgaben beißt es richtig שהיה אביו נודר הימנו). Es handelt sich gerade um einen Akt rücksichtsvoller Kindesliebe. Der Sohn wollte die Verheiratung seines Kindes benutzen, um sich den Vater wieder näher zu bringen, ohne daß dieser es nötig hätte, sich schon jetzt sein Gelübde lösen zu lassen. ׳ ״־ S. 718 ff. Mt 15n: ,,Nicht was in den Mund eingeht, macht den Menschen, gemein (unrein), sondern was aus dem Munde ausgeht, das macht den Menschen ׳־ gemein“. Dazu wird bemerkt: ,,Rein und unrein im ethischen Sinne findet sich im Rabbinischen verhältnismäßig selten“. Nach Anführung bezüglicher Stellen heißt es dann weiter: ,,Ein Ausspruch des Inhaltes, daß ein unreines, unsittliches Wort, das über die Lippen eines Menschen geht, diesen gemein und unrein mache, ist uns in der rabbinischen Literatur nicht begegnet. Ein ,,unreines Wort“ würde ein Wort sein, das Unreines bezeichnet oder vom Unreinen handelt, während ein ,,reines Wort“ ein Wort ist, das vom Anstößigen dezent redet“. Wir haben hier ein Beispiel, welch nichtige und zu belächelnde Anstrengungen oft gemacht werden, um in den Worten Jesu etwas Neueres und Tieferes aufzuzeigen und ihn den Rabbinen gegenüber herauszulieben. Neu war der 'Gedanke, daß das böse, unsittliche Wort verunreinigt, gewiß nicht. Bei der Deutung des Gleichnisses sagt Jesus: ,,Was aber aus dem Munde hervorgeht, das kommt aus dem Herzen und das verunreinigt den Menschen. Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung, das sind die Dinge, die den Menschen verunreinigen“ (vgl. die Reihenfolge in der zweiten Bundestafel). Die Gleichstellung von Sünde und Unreinheit und die Vorstellung von Reinheit und Unreinheit des Herzens, der Hände, des Mundes und der Augen im ethischen Sinne liegen so vielen Stellen der heil. Schrift zugrunde, daß darüber kein weiteres Wort zu verlieren ist. Siehe Jes 110, 65, Jer 338, Ez 3633, Hab 113, Psalm 12*, 1910 f., 5l4.12, Prov 1526, 209, 22n, Job 114, 179, 33g. (Wohl ist an mehreren der zitierten Stellen von sittlicher Reinheit die Rede, aber es ergibt sich daraus der Schluß auf das Gegenteil. Wenn es Prov 152e heißt: ״Ein Greuel dem Herrn sind die Gedanken an Böses, doch rein sind die Worte der Freundlichkeit, so ist damit auch gesagt, daß unfreundliche Worte als unrein galten.) Auch die Rabbineil hatten da nichts hinzuzufügen. Was die Weisen hinzugefügt haben, ist eben, daß man auch bei ethisch indifferenten Reden oder sogar, wenn man ethische Absichten hat, Worte vermeiden soll, die entweder Unreinheit im allgemeinen bezeichnen oder die Sinne reizen oder Ekel erregen (vgl. Meg 25b). Der Grund ist zweifellos, weil der Gebrauch von der-