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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 1 · p. Seite 78

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1924-01-01
Page
Seite 78 (sequence 11)
Language
German
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78 den Nächsten fordert? Das wird wohl niemand ernstlich behaupten. HilM׳ bedient sich der negativen Fassung, weil sie im Volksmunde die geläufige und hergebrachte war. Wird ja diese Fassung auch in der Lehre der zwölf Apostel gebraucht, obgleich den christlichen Bearbeitern der Didache die positive Fassung im N. T. vorlag. Es ist aber auch gar nicht richtig, daß die positive Fassung inhaltlich über die negative hinausgeht. Bei einem so allgemeinen Satze ergibt sich das Positive aus dem Negativen ohne weiteres. Wenn man sagt: ,,Wie du willst, daß man gegen dich nicht lieblos und ungerecht sei, daß man dich in deiner Not nicht hilflos lasse, so handle auch gegen den Nächsten nicht in solcher Weise“, so ist damit natürlich gesagt: ,,Du sollst gegen deinen Nächsten gerecht und liebevoll sein und ihm in seiner Not heistehen“:. Vgl. die Fassung im Aristeasbrief (zitiert S. 460). Wer also der nega־־ tiven Fassung gerecht wird, wird es auch der positiven. Umgekehrt ist das häufig nicht der Fall. Es gibt Menschen, die sehr hilfsbereit sind, wo ihnen Not und Leid in den Weg kommen, die aber andererseits aus Egoismus oder* anderen Gründen vieles tun, wovon sie nicht möchten, daß man es ihnen antue. Es gibt Menschen, die große Summen für wohltätige Zwecke hergeben, als Wohltäter der Menschheit gepriesen werden, ihren Reichtum jedoch durch Methoden, erworben haben, die, mögen sie auch gegen die Staatsgesetze nicht verstoßen,״ vor dem Richterstuhl reiner Moral Verurteilung finden müßten. Man zahlt, seinen Arbeitern Hungerlöhne, sucht aus ihnen herauszupressen, was man. nur kann, und gründet dann mit dem so erzielten Gewinn Volksküchen und' dergleichen (בוצע ברך באץ ה׳ BQ 94a). Grillparzer: ,,Von allen Tugenden-* . die seltenste und schwerste ist die Gerechtigkeit. Man findet zehn Großmütige gegen einen Gerechten“. Die negative Fassung ist somit die weitumfassendere, viel mehr besagende. Ja, noch mehr: würden alle Menschen die negative Fassung befolgen, so würde es so wenig Leid auf Erden geben,, daß positive Hilfeleistung nur selten vonnöten wäre. S. 630. Bezugnehmend auf Mt 1212: ,,Also ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun“, findet sich folgender Satz: ,,Besonders auffallend tritt dieser Grundsatz in folgenden beiden Aussprüchen zurück“. Diese beiden Aussprüche beziehen sich auf eine in der Mischna nicht vorkommende, bloß in der Tosefta erwähnte und von da in der babyl. Gemara zitierte Meinungs- Verschiedenheit der Schulen Schammais und Hilleis. Während die erstere das Trösten von Trauernden, den Krankenbesuch und das Beten für Kranke׳ am Sabbath wegen der Beeinträchtigung der Sabbathfreude verbietet, wird von der Schule Hillels alles gestattet, weil damit anderen Freude bereitet wird. Da nun die Schule Hillels zu allen Zeiten die große Majorität bildete und die: Rabbinen sich grundsätzlich nach ihr richteten, so liegt zu dem Satze, mit dem die Zitate eingeleitet werden, keinerlei Anlaß vor. Aber so ist nun einmal die׳ Objektivität der meisten protestantischen Gelehrten. Anstatt zuzugeben,., daß die Stellen über das Verhältnis Jesu zum Sabbath im N. T. mancherlei־ Unklares, Auffallendes, Unwahrscheinliches und־ Unhaltbares aufweisen, und daß der große Tamtam, der namentlich bei Mk und Lk geschlagen wird^ wenig gerechtfertigt erscheint, geht man lieber darauf aus, uh:d sei es auch nur mit dem Mikroskop, einen Span in den Augen des Judentums zu finden. S. 711 ff. Mt 155r ״Ihr aber sagt: ״Wer zu Vater oder zur Mutter sagt: ״Eine Opfergabe sei jeder Genuß, den du von mir haben könntest“, der darf' seinen Vater oder seine Mutter durchaus nicht ehren“. Zu den Ausführungen über diese Stelle ist folgendes zu sagen. Formell ist es wohl richtig, daß es eine Folge der Unterscheidung zwischen?שבוער und בדר (MNed 22) ist, daß ein Sohn,, der zu seinem Vater gesagt hat: *קונם שאתה כדונה לי* demselben, so lange das Gelübde besteht, keinen materiellen Geniiß (הנאת ממון) zukommen lassen kann (nach jenen, welche Kidduschin 32 a sagen: כיבוד מאכיל משל בן• ist auch das mit Rücksicht auf die Ausführungen bNed 16b fraglich). Praktisch aber ist die Sache völlig belanglos. Waren die Eltern vermögend, so konnte nach der Halacha gewordenen Meinung (Kidd. ibid.) der Sohn auch ohne^ Gelübde nicht gehalten werden, für die Eitern Geldausgaben zu machen, waren die Eltern aber subsistenzlos, so konnte der Sohn durch Gerichtsbeschluß zur Ernährung der Eltern gezwungen werden (s. die S. 09ל zitierten Stellen aus pPea I, 15d). Es half ihm also kein Gelübde. Was aber das ehrfürchtige Verhalten gegen die Eltern betrifft (•לא עומד במקומו ולא יושב במקומו לא פותר את רבדיו ולא מכריעו) und alles4 andere, womit kein materieller Vorteil

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