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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 1 · p. Seite 72

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1924-01-01
Page
Seite 72 (sequence 5)
Language
German
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Römerherrschaft im allgemeinen, sondern bloß um die Lösung einer einzelnen Schwierigkeit, Da diese Lösung, ganz in der Art der Schriftgelehrten war und den Fragestellern als geistreicher Einfall (הדוש) erschien, wurde sie von ihnen bewundert. 'S. 189: ,»Selig sind, die geistlich arm sind (Mt 5a}<6. Ein Vergleich mit Llc 621—26 und der bei Mt folgende Vers: ״Selig sind die Trauernden‘' zeigen klar, daß die Worte ,,im Geist“ nicht ursprünglich sind. Ebenso klar ist es, daß es sich um Arme im allgemeinen handelt u. z. selbstverständlich um solche mit gutem Lebenswandel. Es sind Worte der Tröstung und entsprechen ganz der rabbinischen Anschauung, daß die ,,Gerechten“ es in dieser Welt häufig schlecht haben, damit es ihnen לעה״ב um so besser gehe. An עמי האר־׳ן ist dabei nicht gedacht. Trotz seiner leidenschaftlichen Stellungnahme gegen die Schriftgelehrten ist es auch nicht wahrscheinlich, daß Mt durch die Hinzufügung ,,im Geist“ dem Jesuworte eine Wendung auf den «ע״ד geben wollte. Demi עני כרוח ist nicht gebräuchlich und für den ע״ה gar nicht kennzeichnend, letzteres nicht einmal ע׳ בדעת, wenn auch der ע״ה gewöhnlich unwissend war (s. Bech 30b u. Schürer a. a. 0. 468 ff.). Wahrscheinlich ist, daß der Evangelist an Jes 662 dachte ,,עני ׳ונכד. רוח“ und das Ganze als einen Be־ griff nahm. Wie dem aber auch sei, wird das, was S. 190 ff. ausgeführt wird, den Rabbinen nicht gerecht. Wohl wurde das Verhältnis zwischen den Ge־ lehrten und den .ע״ד in der Zeit nach der Tempelzerstörung immer mehr ge־ spannt. Aber nicht deshalb* weil die ע״די unwissend waren, sondern weil sie nicht nach dem Gesetz lebten, wenig jüdisches Solidaritätsgefühl bekundeten und die Schriftgelehrten mit ihrem Hasse verfolgten. S. 191 f. (= 366 f., s. auch 205) werden wohl tadelnd mehrere Aussprüche über das Verhalten gegen den .ע״ד angeführt. Es werden jedoch nicht die mit diesen Aussprüchen zu־ sammenhängenden Begründungen angeführt, aus. denen sich ergibt, daß die Schriftgelehrten und die jüdische Gesamtheit durch das Verhalten der •ע״ד sehr viel zu leiden hatten. Bezüglich solcher ע״ה, denen man bloß ihre Uii־ wisseiiheit vorwerfen konnte, galt ebenso wie für alle anderen das Gebot,, sich ihrer liebevoll anzunehmen (s. Ab RN 16, zitiert S. 365 m.). Wo es sich zeigte, daß ein Unwissender gute Eigenschaften an sich hatte, kam man ihm mit Liebe und Brüderlichkeit entgegen (vgl. die Gesch. des R. Janai״ Lev R 9, angeführt S. 21 ל). Es galt sogar als besonders verdienstlich, Kinder des zu unterrichten (bBm 85a). Die S. 191 zitierten Aussprüche sind übrigens fast alle von zwei Amoräern des 3. Jahrhunderts, R. Schemuel b. Nachm an (um 260) und besonders R. Eleasar (um 270). Daß letzterer in ■seinen Aussprüchen sich einer ins Maßlose übertreibenden Ausdrucksweise bedient, ist aus anderen Aussprüchen an den gleichen Stellen, die mit dem!ע״ד nichts zu tun haben, klar ersichtlich. So lange der Tempel stand״ war jedenfalls das Verhältnis kein schlechtes. Wohl war der Verkehr zwischen den Chaberim oder Pharisäern und den ע״ה durch die Unzuverlässigkeit der letzteren in Bezug auf levitische Reinheit und auf Abgabe von Hebe (Teruma)׳ und Zehnt sehr erschwert. Aber die exklusive Stellung der ersteren scheint‘ ihrer Popularität keinen Abbruch getan zu haben. Die große Masse des Volkes hing ihnen an und anerkannte'sie als die legitimen Führer. Die Unzuverlässigkeit in der Beobachtung der Reinheitsgesetze war auch der Grund, weshalb man einem Kohen, der ein ע״ד׳ war, keine Hebe geben sollte (S. 192). Der Ausdruck: סימן לנסות עכירת דתורה (Qidd. 49b) will bloß sagen, daß ein Hochmütiger es im Wissen der Thora nicht weit bringen kann, weil er infolge 'seines Eigendünkels, schon bei wenigem glaubt, viel zu besitzen. Zu S- 192 ist noch zu bemerken, ״daß die Demut, die im Bewußtsein de.r menschlichen Untüchtigkeit, Gott zu gefallen, die Seligkeit des Himmel־- reiches ausschließlich von der Gnade Gottes erhofft und erbittet“, den Rabbinen gewiß nicht fremd war. Man lese das im täglichen Morgengehet enthaltene, aus Tanna debö Eliahu stammende Gebet רבון בל העולמים. Vgh. auch Hiob 1514 ff. und die häufige Verwendung dieser Gedanken namentlich, ah den hohen Feiertagen. Auch Psalm 103 war sicherlich den Rabbinen nicht unbekannt. Freilich gehen die Rabbinen nicht soweit, auf eigenes Tun zu; verzichten und von der Gnade Gottes alles zu erwarten. S. 214: ״Dagegen findet sich in der rabbinischen-Literatur keine Stelle», in der das Schauen Gottes von der Reinheit des Herzens abhängig gemacht vwürde“. Wozu sollten die Rabbinen etwas besonders hervorheben, das bereits.

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