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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 1 · p. Seite 61

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Probleme der talmudischen Dialektik
Date
1924-01-01
Page
Seite 61 (sequence 14)
Language
German
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61 den gewaltigen Einfluß fremder» nicht jüdischer Potenzen auf das Judentum dieser Epoche. Die Zeit, in der die mündliche Lehre •zu fester Form kristallisierte, in der namentlich die. Mischnah entstand, war eine Periode der Völkei'mischung. Eine großartige Pro״ selytenbewegung führte Söhne fremder Völker in das Judentum, und mit ihnen leicht auch fremde Ideen, die nicht auf dem Boden der Rabbinen von selbst erwachsen wären. Proselyten waren unter den geistigen und den nationalen Führern des Judentums, so Bar Giora, der Führer im letzten Kriege gegen Rom, so Alcylas, der Uebersetzer der Bibel, so Rabbi Meir, in dem die talmudische■lieberlieferung einen Abkömmling von Kaiser Nero sieht (Gittin 56a), dessen Vorfahren also jedenfalls keine Juden gewesen waren. Er selber hat reichlich aus fremden Quellen geschöpft. Sein wichtigster Lehrer war Elischah ben Abujah, in dessen Munde der griechische Sang nicht aufhörte (Chagigah 15b), und der im Lehrhause viele Bücher der Minim bei sich hatte, wie man heute allgemein vermutet, gnostische Schriften. Und ein anderer Freund Meirs war Euonymos aus Gadara, der als ein bedeutender Philosoph gepriesen wird (Chagigah 16b, Midr. Ruth II, 13). Alle diese Spuren zeigen uns das alte Judentum durchdrungen mit griechischer Kultur und seine hervorragenden Lehrer in enger Berührung mit bedeutenden Philosophen. Dann liegt aber der Ge^ danke nahe, daß auch die Methoden der antiken Philosophie und besonders ihre Dialektik dem alten Judentum bekannt waren, daß daher auch jener eigentümliche Scharfsinn, der uns in seinen literarischen Quellen entgegentritt, durch eben dieses griechische Vorbild angeregt wurde (so auch Julius Güttmann, Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhänge der jüdischen Geschichte, Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1921/22, S. 78). Das alte Judentum hatte sich diese eigentümliche Aeußerung des griechischen Geistes zu eigen gemacht und sich in seiner ausgeprägt jüdischen Form, dem Pilpul, eine wirksame Waffe geschaffen, wodurch es sich dem Hellenismus gegenüber behauptete. Der Pilpul, das jüdische Seitenstück zu der Dialektik der Hellenen, wurde ein Werkzeug f ür die Verteidigung und Erhaltung der schriftlichen und mehr noch der mündlichen Lehre in der schweren K r i s i s , in die diese in der Zeit nach den Makkabäerkämpfen gerieten, und die mindestens bis in die Epoche der Schüler Hilleis und Schamais andauerte. Die mündliche Lehre ist uralt, ihre Spuren finden sich allenthalben in der schriftlichen. Es sei hier nur auf die hochbedeutenden Forschungen von Nachman Krochmal (Moreh Nebuche Haseman XIII. Pforte, S. 143—183) hingewiesen. Seit Krochmal haben die Ausgrabungen, der Codex des Hammurabhi und so viele neue Tafeln und Papyri viel neues Licht auf das alte Israel geworfen, und auch unsere Wissenschaft von diesen Anfängen ist mannigfach erweitert. Trotzdem sind unsere Kenntnisse immer noch gering und unzuverlässig. Ueber die Gestalt der Ueberlieferung in den frühen Zeiten sind wir nur wenig unterrichtet. Wir wissen nicht, wie sie in den Tagen von Esra, in der Zeit der Männer der großen Svnode, in dem Zeitalter des Hellenismus aussah, und immer noch gilt das Urteil von Zacharias Frankel (Einfluß der palästinischen Exegese

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