Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Probleme der talmudischen Dialektik
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 12)
- Language
- German
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59 lateinische Lehnwörter im Talmud, Midrasch und Targum II, S. 446), und noch häufiger schlechthin als Philosoph (eod. S. 446). Philo•״ sophen und Sophisten waren also den Rabbinen bekannt. Nicht nur Worte wurden übernommen. In gewissem Maße, über das allerdings Streit herrscht, bürgerten sich vielmehr auch griechische Ideen ein. Es sei nur an den Anfang des Bereschith rabba erinnert. Dort tritt uns die Thora ganz in den Formen der platonischen Philosophie als Idee, als Urbild, entgegen. ״Wie ein Baumeister Urkunden und Tafeln hat, um zu sehen, wie er die Zimmer bauen will, so schaute Gott auf die Thora und schuf die Welt/' Kein Wunder, daß da auch der jüdische Gelehrte direkt als אפבולספיהא, als ,,Scholastiker'/ bezeichnet wird(Kraussa.a.O. II, S. 87). Das Wort hat hier eine merkwürdige Doppelbedeutung, in der ohne weiteres ein Hinweis auf die Dialektik und ihre Bedeutung für die Halachah liegt* Krauss übersetzt es mit ,,Gesetzeskundiger, Advokat". Griechisch war das ganze Bildungswesen, griechisch die geistige Atmosphäre des palästinischen Judentums. Ein besonderer Einfluß des griechischen Denkens auf das jüdische zeigt sich in der eigentümlichen Art der alexandrinischen Schriftauslegung, jener hellenistischen Exegese, die als allegorische Auffassung des Schriftwortes den größten Einfluß auf die innere Entwicklung des Judentums ausübte. Die große Einwirkung, die Palästina auf die hellenistischen Juden ausgeübt hat, ist unbestritten. Zacharias Frankel hat ein eigenes Buch geschrieben über den Einfluß der palästinischen Exegese auf die alexandrinische Hermeneutik. Ob der hellenische Geist in gleicher Weise das Judentum in seinen Tiefen umgestaltet hat, ist freilich bestritten. Wendlandz. B. verneint im Wesentlichen die Frage (Handbuch zum neuen Testament I, 2. Die Hellenistisch-Römische Kultur in ihren Beziehungen zu Judentum und Christentum, S. 105 i). Von geistigem Besitz der Griechen sei gewiß nichts in die Tiefen des jüdischen Volkes gedrungen, das unter der geistigen Herrschaft des Pharisäismus von den Grundsätzen strenger Ausschließung alles Fremdländischen und von besonderem Mißtrauen gegen den Hellenismus beseelt gewesen sei. Und er meint, so sehr die Fortbildüng des Judentums und die Ausgestaltung seines geistigen Lebens durch seine Verflechtung in die Völkergeschichte und durch mancher״ lei fremde Einflüsse bestimmt sei, so lasse sich doch an keinem Punkte mit Sicherheit nach weisen, daß der griechische Geist auf die sich reicher entfaltende innere Entwicklung des palästinischen Juden״ tums einen tieferen Einfluß ausgeübt habe. Aber er selbst behauptet, vereinzelte griechische Elemente seien der Theologie durch die Schriftgelehrten der Diaspora vermittelt worden. Soweit sich die Dinge übersehen lassen, ist aber der Einfluß von Hellas auf Juda viel größer gewesen, und allein schon in den oben erwähnten Resten griechischer Wörter tritt uns eine starke Einwirkung des hellenischen Geistes im palästinischen und mittelbar auch im babylonischen Judentum entgegen. Auch Frankel stellt (a. a. O. S. 3) eine solche Wechselwirk u n g von Palästina auf Alexandria fest. ,,Palästina und Alexandria, einander gegenübergehalten, geben wechselseitig Aufschluß über die damaligen religiösen Be- Strebungen".