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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 1 · p. Seite 44

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Jüdische Frömmigkeit und religiöses Dogma
Date
1924-01-01
Page
Seite 44 (sequence 18)
Language
German
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44 von den überlieferten Religionen auf hörte, eine Selbstverständlichkeit zu sein. Ein Zweites war die Assi milati o־n der jüdischen Religion als solcher, die indirekt und doch auch höchst wirksam eine Verflüchtigung jüdischen Menschentums geleistet hat. Unter dieser Assimilation verstehen wir das Bestreben, ihre Be״ Sonderheit unter dem Gesichtspunkt des allgemeinen Rel.igionsbegriffs aufzufassen und dasjenige in ihrem Gesamtkomplex zu umgrenzen und zu unterstreichen, was.nach dem vom Christentum gelieferten Vorbilde als Weltanschauung gewertet werden kann. Wo wir in dieser ganzen Arbeit von Dogmen gesprochen haben, wiesen wir immer auf die. Notwendigkeit hin, dieses Wort nicht in dem strengen Sinne der theologischen Wissen״ schaft zu verstehen, welche nach festgelegtem Sprachgebrauch unter dem Namen Dogma einen von kirchlicher Autorität formulierten und seinem Inhalte nach fest umrissenen Satz des Glaubens faßt; sondern wir wollten es überall in dem biegsamen Sinne einer mehr oder weniger feststehenden Glaubensmeinung genommen wissen, im Sinne einer leidlich gesicherten Ueberzeugung hinsichtlich der theoretischen In״ halte, deren Wahrheit die religiöse Metaphysik behauptet. Das sei noch einmal wiederholt, wenn hier die Meinung ausgesprochen wird, daß die moderne Behandlung der jüdischen Religion auf Dogma״ tisierung hinausläuft oder genau gesagt auf eine Herausarbeitung, eine Verengung zur Weltanschauung. Je mehr das jüdische Leben in seiner Eigenart zwischen den Mahlsteinen der europäischen Kultur zerrieben wurde, gegen deren gleichmachenden, die Menschen assimi״ lierenden Einfluß eine Rettung ausgeschlossen schien, desto deutlicher und stärker wurde das Bestreben, das Judentum zu einer Konfession einschrumpfen zu lassen. Konfession im wörtlichen Sinne, Bekenntnis, das die Wahrheit und Gültigkeit gewisser Sätze bekennt und in diesem Glauben, aber wesentlich nur in ihm, von andern Korifessionen sich abscheidet. Sowie einstmals die Deisten das Wesen der wahren Religion, der natürlichen oder vernünftigen, darin fanden, daß sie auf die Besonderheiten der einzelnen christlichen Konfessionen verzichteten, schließlich die gesamte Irrationalität der anscheinend grundwesentlichen Dogmen, selbst die Trinität, preisgaben und im Glauben an einen weisen und allgütigen Gott und seine etwas unbestimmt gedachte Vergeltung den ganzen Sinn der Frömmigkeit zusammendrängten, so suchte die rationale jüdische Betrachtung das Wesen der jüdischen Religion zu bestimmen. Das war und ist ein Unternehmen, dessen Recht wohl gegründet ist. Nur muß dieser Kern in einer Lebens-, nicht in einer Vor״ stellungsweit gesucht werden, wie es dem besonderen Charakter des Judentums entspricht. Statt dessen finden wir diese Betrachtungen, die ja in umfassenden systematischen Werken nur höchst spärlich, dafür aber desto mehr in der populären Erbauungs- und Predigtliteratur angestellt werden, durchweg in die Richtung einer universalethischen AYeltarisehauung angesetzt. Das, worauf es ankommt, wkd darin gesehen, daß das Judentum im geistigen Kampf gegen das furchtbar drückende Schwergewicht des Christentums sich durch eine einleuchtende, ve rnünft ig.e r e;Auffassung über Gott und

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