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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 1 · p. Seite 37

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Jüdische Frömmigkeit und religiöses Dogma
Date
1924-01-01
Page
Seite 37 (sequence 11)
Language
German
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37 sich, was die scharfen Distinktionen und überfeinen Grübeleien rechtfertigen könnte, welche die religiöse Metaphysik des mittelalterlichen Judentums darauf aufgewendet. Im Gegenteil, diese philosophische Spekulation deutete von vornherein einen Sinn in diesen Satz hinein, der in biblischem oder überhaupt genuin israelitischem Verständnis aus ihm gar nicht herausgeholt werden konnte. Mag das ,,einzig״ ursprünglich nur im Gedanken des Henotheismus gesagt worden sein, oder mag es selbst von Anfang an den vollen Wert monotheistischer Ueberzeugung gehabt haben, indem das Bekenntnis zu ihm jeden fremden Stammesgott oder etwa im Sinne des 2. Jesaias jedwede Zweiheit göttlicher Prinzipien abgewehrt haben, jedenfalls hat es in der lebendigen Frömmigkeit des Juden die Bedeutung der Einzigk e i t, aber nicht diejenige der Einheit. Aller Scharfsinn der jüdischen Aristoteliker leistet nichts für eine begriffliche Verdeutlichung dessen, was das religiöse Bewußtsein des Juden, wie es von Bibel und Talmud genährt war, dunkel und unklar in sich empfand, auf daß das vage Gefühl von dem Licht der Einsicht, bestrahlt werde! sondern auf Grund von sachlichen Problemen, die in Islam und Christentum eine Bedeutung haben mögen, wird eine breite Diskussion angesponnen. Sie hat als Polemik ihr gutes Recht, gewiß: auch als Polemik nicht bloß gegen jene fremden Religionen, sondern auch gegen gewisse mythologisierende Phantasien, die, unter dem Einfluß jener stehend, fremde Gedanken oder doch Tendenzen dem eigenen Religionsbewußtsein aufzupfropfen versuchte. Aber sie wollen viel mehr sein, als nur eine Abwehr auf breiter religionsphilosophischer Basis. Indem sie sich aufs engste mit dem biblischen Text verbinden, ja geradezu den Anspruch erheben, die letzte ausschlaggebende Exegese der heiligen Urkunden, das echte, wahrhaft philosophische Verständnis der b:bbschen Worte und der im Volksbewußtsein nur vage erfaßten Gottesvorstellung zu sein, dogmatisieren sie eine philosophische Erkenntnis. In der christologischeii Spekulation der philosophierenden Kirchenschriftsteiler lag ein berechtigter Kern; denn das Wesen des Christentums ist Spekulation, metaphysische Erörterung kompliziertester Art des schwierigen Verhältnisses von Gottvater zu Gottsohn, des Beisammenseins von göttlicher und menschlicher Natur im Christus, Hier wird der gedankliche Ausbau und die begriffliche Klärung solcher subtiler, aber mit der Substanz der christlichen Frömmigkeit unablösbar gegebenen Ideen zur Notwendigkeit. Mit dem schlichten Gedanken aber, daß es nur einen Gott gibt, einen einzigen fiir alle Menschen, war schlechterdings kein Grund für die weitgetriebene begriffliche Zergliederung der Attributenlehre gesetzt. Damit soll nicht in Abrede gestellt sein, daß ein selbständiges Int er esse der Erkenntnis vorlag, um das Wesen des Gottesbegriffs zu bestimmen, daß allgemeine philosophische Anliegen darauf hindrängen, die mit dem Gottesgedanken gesetzten Momente zu klären. Nur das soll mit unserm Bedenken ausgesprochen sein, daß das eigenartig jüdische Gottesbewußtsein in der Behandlung des Satzes von der Einzigkeit nicht seinen notwendigen Ausdruck findet, daß vielmehr — so möchten wir es formülieren — an der leeren Stelle, die das Schweigen von Thora undr

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