Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jüdische Frömmigkeit und religiöses Dogma
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 8)
- Language
- German
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34 des Willens gegenübersetzen zu sollen, Die Polemik der Propheten gegen den national begrenzten Opferdienst, ihre Weissagung vom bevorstehenden Untergang des israelitischen Staates und Tempels, die Gott zur Wahrung seiner Heiligkeit hereinbrechen lasse, wurden als Offenbarungen eines ethischen Universalismus interpretiert, der sich über die niederen Formen partikularistischer Rückständig״ keit erhoben habe. Alles das brachte diese reformierende Theologie auf den Gedanken, das ,,Wesen14 des Judentums als eine Welt״ anschauung, eben als eine Konfession, zu begreifen, der gegenüber das irrationale Zeremonialgesetz als etwas Ueberholtes, Antiquiertes zu gelten habe, als Ausfluß nationaler Begrenztheit, die Unwesentliches, Außenwerk verkehrterweise zum Herzen des wahren Judentums gemacht habe. Wenn solche Deutung auch nicht immer expressis verbis ausgesprochen wurde, so lag sie doch unzweifelhaft der hier angedeuteten religiösen Richtung zu Grunde. Die religiös interessierten Laien lebten völlig in diesem Glauben, der, sofern sie überhaupt ein Bedürfnis nach einer Entschuldigung der eigenen Haltung hatten, die übliche Mißachtung der überlieferten jüdischen Lebensformen vollständig rechtfertigte. Was ist dazu zu sagen? Der ganze Sinn unserer Betrachtungen ging darauf aus, zu zeigen, daß das Judentum sich nicht in seiner Weltanschauung als Lehre erschöpfte, daß die Weise der jüdischen Frömmigkeit nicht Glauben, sondern Leben sei. Wir wollen nun klarlegen, daß die abgezogenen, theoretisch erscheinenden Elemente des jüdischen Geistes, aus denen man meinte, eine Art Glaubenslehre konstruieren zu können, keine solche unabhängige Existenzweise als allgemeine von konkreter seelischer Grundlage ablösbare Glaubensgedanken führen, sondern daß sie nur zu begreifen sind als der Niederschlag gefühlten jüdischen Lebens in der Sphäre des. Gedanklichen. Mit andern Worten: Wir wollen Klarheit gewinnen, daß es nicht objektiv richtige, d. h. an der Idee einer absoluten Religion oder einer unbedingt einsichtigen Ethik gemessene Lehren sind, welche der jüdischen Lebensansicht einen Charakter der Rationalität verleihen, sondern daß Geltung und Gewißheit dieser Religiosität anderen Quellen entstammen. Was ist der Monotheismus der Bibel? Wir müssen die Bedeutung, die dieser Gedanke für die jüdische Empfindungsweise hat, um so genauer zergliedern, als die Lehre von der Einzigeinigkeit Gottes־ das Fundament unseres Glaubens ist und immer als dieses anerkannt wurde. Niemand wird bestreiten, daß Israel in Zeiten, welche durch manche biblische Berichte noch hindurchschimmern, in Jhw lediglich seinen Stammesgott verehrt hat. Dieser in Israel einst herrschende Henotheismus hat Jhw in gleichem Ausmaß zum Gotte seiner Nation gemacht, wie die Numina der anderen Völker zu Herren der ihrigen wurden. Wenn der Nationalheros David sich naiv darüber beklagt, daß des Königs Saul ungerechter Grimm ihn zu Landesflucht und zur V er e h r ung fremder Go ttheitea zwinge (I. Sam 2619), so offenbart sich darin nur ein unbefangenes Nationalgefühl, in welchem das Bewußtsein von der Einzigkeit und Einzigartigkeit Gottes auch noch nicht leise verspürt wird. Die P r 6 p h e te n bekämpfen diesen Standpunkt, Ämos schüttet seinen