Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein Lebenswerk
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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18 können, zwei Aufgaben, die von unserem Löw in glücklichster Weise gelöst werden. Manches, was in den ״Pflanzennamen" verfehlt oder unsicher ist, wurde in der ״Flora" berichtigt oder zur Festsetzung geführt, ein guter Teil, die kulturhistorische Seite, hier das erste Mal niedergeschrieben. L ö w s Arbeiten sind nicht für den Laien,' auch nicht für den Durchschnittsleser und selbst nicht für den Sonntagsfoxscher berechnet, sondern für den ernsten Gelehrten, der vor dem Gestrüpp der vielen •fremdsprachlichen Belege nicht zurückscheut. Dennoch aber .— anders als in den ,,Pflanzennamen" ־— gibt es hier ganze Seiten, die sich recht glatt und sogar angenehm lesen, und dafür werden L ö w viele Leser dankbar sein. Diese Seiten sind gefüllt mit den zahlreichen aggadischen Aussprüchen, sprichwörtlichen Redensarten und interessanten kulturhistorischen Momenten, die sich an die in der Bibel und im Leben des jüdischen Volkes zu größerer Bedeutung gelangten Pflanzen knüpfen, Dinge, die Löw in sehr gefälligem Gewände vorzuführen versteht. Einen besonderen Reiz des Buches bilden die zahlreichen metrischen Ueber- Setzungen von Stellen der neuhebräischen Dichter, doch ist meines Erachtens hier des Guten zuviel geschehen, denn ein bloßer Hinweis hätte genügt, während das so gestaltete ״Florilegium" den wissem schaftlichen Charakter, des Buches einigermaßen alteriert. Was in dem Zeitraum zwischen ״Pflanzennamen" und ״Flora" liegt, kennzeichnet L ö w selbst (im Vorwort) mit folgenden Worten: :,*Wesentlicher Fortschritt der botanischen und wirtschaftlichen Erforschung Syriens und Palästinas, gedeihliche Entwicklung der Texterforschung und der lexikalischen Arbeiten haben es möglich gemacht, vielfach zu gesicherten Identifikationen der alten Pflanzenhameh zu gelangen. Gar manches verdankt sich dem Zufalle glücklicher Kombination, vieles aber der sorgfältigen Sammlung und Sichtung des Stoffes und dem methodischen Vorgehen, von den Sachen her zur Erklärung der Wörter vorzudringen. Es bleibt ja immer noch viel Zweifelhaftes und Ungelöstes übrig, aber es ist doch ״ein herzerhebendes Gefühl, dem Schwererferschlichen wieder einige . lichte Stellen abgewonnen zu haben"1. In dieser Aeußerung offenbart sich uns der ganze Löw. Ohne viel Worte zu machen, läßt er erkennen, daß es Schweres zu bewältigen gab und daß Tüchtiges geleistet wurde. Aber sorgfältige Sammlung des Stoffes und methodisches Vorgehen in der Erklärung allein hätten noch nicht genügt, um das hier vorliegende Problem zu lösen; was noch dazu gehört und was wir in Löw so sehr bewundern, ist die ungewöhnliche Sachkenntnis, das profunde Wissen in allen erforderlichen Hilfs- Wissenschaften (z. B. in der Sprache, in der Geographie und in der Handelsgeschichte) und die geradezu erstaunliche Belesenheit. Zugleich bildet Löw ein leuchtendes Beispiel für alle, die wirklich arbeiten wollen *, weder ist das Amt eines Rabbiners, das allerdings auch voll ausgeübt werden will, ein solches, das einen völlig absorbiert, noch ist das Wohnen in einer Provinzstadt2 hinreichender Grund * Letzterer Satz stammt aus einem Briefe Goethes an Carlyle. 2 Szeged, L ö ws Wohnort seit 40 Jahren, ist zwar eine große, aber doch nur eine. Provinzstadt, die bis vor kurzem auch keine. Universität hatte; Allerdings hat L ö w viele Bücher von seinem gelehrten Vater geerbt.