Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein Lebenswerk
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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17 Ein Lebenswerk• (Immanuel L ö w , Die Flora der Juden. II. 1924.) Von Samuel Krauss in Wien. I. Wir feiern ein Jubiläum. ImmanuelLöw ist am 20. Januar 1924 in sein siebzigstes Lebensjahr getreten. Gern hätten wir ihm zu diesem seinem Ehrentage ein literarisches Geschenk dargebracht, wie es seiner würdig ist — doch die Ungunst der Zeiten . . . Nicht nötig, weiter darüber zu reden. Dafür hat e r uns mit einem wunderbaren Buch beschenkt, das knapp vor seinem Ehrentage erschienen ist1 und das noch in zwei Bänden, in der Reihenfolge III und I, eine Fortsetzung erfahren soll. Dank der Alexander Kohut-Stiftung2 und den Geld- Zuschüssen einiger Gönner konnte somit ein Werk entstehen, das, ebenso wie es seit 50 Jahren3 das unentwegte Ziel des Verfassers gebildet hatte, auch dem Wunsche aller Freunde der echten Wissenschaft begegnet. Wir, die ganze große Gemeinde der Freunde und Verehrer Löws, haben dieses Werk von ihm erwartet, von ihm — denn nur er konnte es leisten. Das Werk hat lange, wenn auch nicht abgeschlossen, bei ihm gelegen, und es wäre Sache, ja Ehrensache, irgend einer Akademie der Wissenschaften gewesen, es herauszugeben — aber eine solche Akademie traf sich nicht ... Auch da ist es nicht nötig, weiter darüber zu reden. Endlich ist es der jüdischen Tatkraft gelungen, das Erscheinen des Werkes zu ermöglichen; seien wir stolz auf diese Tatsache. Vor mehr als 40 Jahren sind Löws ,,Aramäische Pflanzennamen“ erschienen. Gegenüber den dilettantischen Versuchen auf demselben Gebiete stellt bereits dieses Werk einen ungeheuren Fortschritt dar. Nicht bloß eine neue Welt der Sachen, sondern auch ein neuer Weg der Forschung tat sich unseren überraschten Blicken auf. Nie wurden vorher rabbinische Texte mit solch sicherer Kenntnis der Realien behandelt; woher sollte sie denn all den Mitforschern, besonders den jüdischen Theologen, die so selten in das Reich der schaffenden Natiir hinaustreten, kommen? Nie noch wurde der sprachliche Ausdruck jener Texte mit solchem Aufwand von sprachliehen Mitteln und nach solch philologisch richtiger Methode erforscht, wie es durch L ö w geschehen, nicht nur, was die Pflanzenkunde anlangt, sondern in allem, was in Talmud und Midrasch an Realien enthalten ist,4 und ich glaube, daß selbst jene zwei Männer, T h. N ö 1 d e k e und G. Schweinfurth , die L ö w seine stets bereiten Helfer nennt und denen er sein Werk widmet, je nur eine Seite der Aufgabe, die philologische oder botanische, hätten meistern 1 R. L ö w i t Verlag, Wien und Leipzig. 2 Veröffentlichungen der Alexander Kohut Foundation, Band II. Siehe die von H. P. Ghajes geschriebene Vorbemerkung. 8 Siehe Löws Vorwort. Ein solches Werk kann doch wohl Lebenswerk genannt werden. 4 Ich erwähne hier noch Löws Aram. Fischnamen und Aram. Schlangen- und Lurchnamen, ferner zahlreiche Arbeiten in der Zeitschr. für Assyriologie und in der Wiener Zeitschr. für die Kunde des Morgenlandes etc. etc. Monatsschrift, 68. Jahrgang. 2