Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philipp Bloch
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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15 In Organisationen mit praktischer Tendenz hervorzutreten, lag seiner Natur fern. Die einzige Ausnahme bildet die V e r r einigung der liberalen Rabbiner in Deutschland, deren Vorsitzender er 1911 — damals schon ein Siebziger — wurde und die ihn dann, als ihm das Alter die Fortführung der Geschäfte nicht mehr gestattete, zum Ehrenvorsitzenden machte. Er wirkte in ihr im Sinne eines gemäßigten Liberalismus, der zwischen der ״historischen" Richtung des Breslauer Seminars und der liberalen Auffassung des Judentums die Brücke zu schlagen suchte. Während er innerlich ganz in den Anschauungen der Breslauer Schule wurzelte, glaubte er doch, den Bedürfnissen einer neuen Generation weiter entgegen kommen zu müssen. Trotzdem gerade in den letzten Jahren eine schärfer reformfreundliche Gesinnung vorherrschte, erfreute er sich doch dank des Gewichtes seiner wissenschaftlichen und religiösen Persönlichkeit unbestrittener Autorität.. Wertvolle Dienste hat er dem Verband ־ auch als Vorsitzender der von ihm eingesetzten Rabbinerprüfungskommission geleistet. Wie aus der Ferne, so wurde Bloch auch in seiner Posener Heimat in seinen späteren Jahren von Ehrenbezeugungen und dankbarer Anerkennung begleitet, So konnte er im Alter reichlichen Lohn ernten für die fruchtbare Tätigkeit seiner Jugend- und Mannesjahre. Hierbei gehörte er aber zu den gottbegnadeten Menschen, die sich bis ins höchste Alter hinein den gespendeten Lohn immer wieder von neuem verdienten. Im Dezember 1896 feierte er, umgeben von der Liebe und dankbaren Wertschätzung seiner Gemeinde sein 25jähriges Amtsjubiläum, am 30. Mai 1911 seinen 70. Geburtstag. Wenige Wochen später wurde ihm von der Staatsregierung in Ansehung seiner wissenschaftlichen Verdienste der Professortitel verliehen. Die seit dem Ende der neunziger Jahre ins Leben tretenden Bestrebungen zur Hebung des geistigen Lebens in der Provinz Posen unterstützte er auf das eifrigste, wo immer sich ihm Gelegenheit dazu bot. Im Jahre 1898 wurde er von einem Komitee aufgefordert, philosophischen Unterricht zu erteilen. Er hielt infolgedessen seminaristische Uebungen über Kants Kritik der reinen Vernunft vor einem wissenschaftlich stark interessierten Kreise im Rathaussaale ab. Die schwere Zeit des Weltkriegs fand ihn voll Hilfsbereitschaft für Notleidende, Vertriebene und verwundete Soldaten, die er häufig in den Lazaretten besuchte und durch seinen milden Zuspruch aufrichtete. Im übrigen aber zog er auch in dieser Zeit, wie einst Archimedes in dem belagerten Syrakus ruhig seine wissenschaftlichen Kreise. Als einmal polnische Soldaten in sein Studierzimmer eindrangen und ihn fragten, ob er Waffen besitze, wies er auf seine