Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philipp Bloch
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 :Kampfes um die Schule und die Charakterisierung der führenden Männer der neuen Richtung. Es lag für Bloch nähe, die Geschichte seiner Gemeinde zu schreiben und so den Kampf des religiösen Liberalismus um die Gleichberechtigung im Posener Gemeindeleben darzustellen. Er hat jahrelang Aktenmaterial darüber gesammelt, ist aber erst 1920 dazu gelangt, in dem ersten Jahrgang der Posener jüdischen Zeitung eine Darstellung: ״Aus der Geschichte der israelitischen Brüdergemeinde“ zu veröffentlichen. Leider sind nur vier Artikel davon erschienen, welche den Zeitraum von 1815—32 behandeln, als diereligiösen Tendenzen der neuen Richtung sich erst allmählich herausarbeiteten. Blochs sonstige historischen Arbeiten bewegen sich fast ausschließlich auf dem Gebiete der Biographie. Bei dem Ruf, den er genoß, trat vielfach die Anregung an ihn heran, bedeutenden Männern, mit denen ihn das Leben und die Forschung in Verbindung gebracht hatte, ein literarisches Denkmal zu errichten. Die bedeutendste dieser Arbeiten war die Biographie von Heinrich Grätz, die zuerst in englischer Sprache im Aufträge der Jewish Publikation Society of America 1898 als Epilog für die amerikanische Ausgabe des Grätzsehen GeschichtsWerkes, im deutschen Original aber erst 1904 erschien (MGWJ 48). In der Vollständigkeit und Meisterung des reichhaltigen Stoffes, der Wahrhaftigkeit und Kritik der Beurteilung und der plastischen Rundung der Darstellung sucht diese Lebensbeschreibung in der Literatur ihresgleichen. Als Quellen standen Grätz״ Tagebücher, Briefe und persönliche Mitteilungen zur Verfügung. Wunderbar ist es, in welcher Harmonie hier Liebe und Bewunderung für den hochverehrten Lehrer mit der ruhigen Objektivität in der Würdigung seiner Leistungen zusammenfließen, wunderbar auch die Uebereinstimmung, in der sich Persönlichkeit und Lebenswerk des Gefeierten dem Leser darstellen. Bloch hat auf dem Titel seine Arbeit als ein Lebens- und Zeitbild bezeichnet. Tatsächlich hat sich auch besonders die Schilderung der Jugendjahre von Grätz zu einem wertvollen Kulturbild der geistigen Strömungen im Judentum in den Provinzen Posen und Schlesien erweitert. Im engeren Rahmen zeigt die gleichen Vorzüge das Lebensbild, das er im Jahre 1917 von Martin Philippson entwarf. Er stellt ihn als den geborenen Führer der wissenschaftlichen Bestrebungen der Juden in Deutschland dar, an deren Spitze ihn die Ueberlieferung seiner Familie und sein guter Name gestellt hatten. Ohne seine organisatorische und wissenschaftliche Tätigkeit ins Heroische zu verziehen, sieht er in den von ihm ausgegangenen Schöpfungen ein Asyl, in dem sich alle Geister sammeln, um in ihrer gemeinsamen