Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philipp Bloch
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Wurden und verteidigt seine Echtheit gegen die von Gratz erhobenen Zweifel. Die Arbeit ist sowohl von der deutschen wie von der polnischen Kritik mit großem Beifall aufgenommen worden; ihre Resultate können als gesichertes Gut der Forschung gelten. Eine Mittelstellung zwischen seinen philosophischen und historischen Arbeiten nimmt die über den Streit, um den ״Moreh des Maimonides“ in der Gemeinde Posen um die Mitte des 16. Jahrhunderts ein. (MGWJ 47.) In einer Predigt hatte der Oberrabbiner von Posen Ahron das Studium des Maimonides verfehmt. Ein Gemeindemitglied hatte eine, hebräische Streitschrift dagegen verfaßt und ging darin soweit, den Rabbiner als Esel zu bezeichnen. Für die Kenntnis der geistigen Verhältnisse im polnischen Ghetto des 16. Jahrhunderts ist es außerordentlich aufschlußreich, daß die Philosophie des Maimonides damals noch so gut bekannt und so stark umstritten war. Der philosophisch und talmudisch gleich gut gebildete Aufklärungsfreund, dessen ausgezeichnet geschriebene Ausführungen Bloch veröffentlicht, ist eine Gestalt, die man im damaligen Posener Ghetto nicht vermutet hätte. Blochs gut orientierende Einleitung hebt die kulturgeschichtliche Bedeutung dieses Streites, der an die christlichen Glaubenskämpfe* jener Zeit erinnert und; deren erregten Pulsschlag fühlen läßt, klar hervor. Beigegeben ist ein Anhang mit Urkunden und Nachrichten über das Posener Rabbinat vom Ende des 14. bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Für die Wirtschaftsgeschichte des polnischen Ghettos ist von Interesse ״Der Mamran, der jüdisch-polnische Wechselbrief“ (Festschrift zum 70. Geburtstag von A. Berliner 1903). Er erläutert scharfsinnig die Eigenart und Geschichte dieser Einrichtung, die in den polnisch-preußischen Provinzen bis gegen das Jahr 1830 bestand. Auch den Ghettosagen brachte Bloch großes Interesse entgegen; Er sammelte sie eifrig und hat acht schön erzählte Legenden, besonders über alte Posener Rabbiner und Kabbalisten, veröffentlicht (Z. 6). Großes Wohlgefallen erregte er durch seine umfassende Studie: ״Die Sage von Saul Wahl, dem Eintagskönig von Polen“ (Z. 4). Er schließt sich der Anschauung an, die in dem Helden der Sage eine wirkliche Persönlichkeit, einen Vertrauten des Fürsten Christopherus Nikolaus Radziwill sieht. * Von seinen kleineren Arbeiten und Vortragsberichten seien einige hervorgehoben, die aus besonders glücklichen archivalischen Funden hervorgegangen sind. In einem Einband der Posener Landesbibliothek fand er einen hebräischen Schuldschein von 1485 (Z. 11), aus Responsen konnte er interessantes Material über jüdische Köm-