Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philipp Bloch
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 ■ in die aramäische Volkssprache und Erläuterungen durch Predigten, die in die Agada übergegangen sind. Die Arbeit bietet einen besonderen Reiz durch eine Reihe anmutiger Agada-Erzählungen, die Beispiele alter hoher Volksbildung geben. III. Zwei Jahre vor Blochs Uebersiedlung' nach Posen, wurde dort ein Staatsarchiv gegründet. Im Anschluß daran bildete sich 1885 eine deutsche Historische Gesellschaft für die Provinz Posen, die eine Zeitschrift und später historische Monatsblätter herausgab 1. Ich selbst war seit 1882 Beamter des Posener Staatsarchivs und 25 Jahre hindurch Schriftführer der Historischen Gesellschaft. Da mich Bande verehrungsvoller Freundschaft an Bloch fesselten und ich seinen Forschergeist und seine künstlerische Darstellungsgabe bewunderte, so lag es mir nahe, ihn für unsere landesgeschichtlichen Interessen heranzuziehen.. Seit 1883 war er einer der fleißigsten Benutzer des Archivs, wo er systematisch die reichhaltigen Materialien zur Geschichte der Juden Posens und Polens sammelte. Seine liebenswerte Persönlichkeit gewann ihm auch in diesem Kreise schnell Freunde und Verehrer. Der Charakter seiner geschichtlichen Arbeiten glich dem seiner religionsphilosophischen. Auf beiden Gebieten war er ein wissenschaftlicher Epikuräer, dem es in erster Reihe Genuß und Befriedigung gewährte, die bis dahin verborgene Wahrheit zu finden. Die Bekanntgabe des Gefundenen stand ihm erst in zweiter Linie; literarischen Ehrgeiz besaß er nicht. Besonders fern lag ihm der Gedanke, die gesammelten Ergebnisse seines For~ schens in monumentalen Werken niederzulegen. Er hat durch eine ganze Reihe wertvoller Arbeiten die Landesgeschichte bereichert, in alle Jahrhunderte mit dem Lichte seiner Forschung hineingeleuchtet und manches tief verborgene Goldkorn aus dunklem Schacht zu Tage gefördert. Besonders wertvoll ist die Art, wie er hebräische Quellen, so Responsen, Gemeindebücher, die Akten der Vierländersynode usw. mit den Materialien des Staatsarchivs zusammenstellte und sie einander ergänzen und beleuchten ließ. Die weitest' gespannte Leistung auf diesem Gebiete ist die Arbeit über ,,Die Generalprivilegien der polnischen Judenschaft“ (Z. VI). Er behandelt hier 5 Judenstatuten aus dem 13. und 14. Jahrhundert, gibt einen kritischen Text des wichtigsten derselben und fügt eine deutsche Uebersetzung hinzu. Er sieht in diesem übrigens undatierten Statut Kasimirs des Großen das höchste Maß von Vergünstigungen, die in irgend einem Lande einer jüdischen Gesamtheit zügestanden 1 In der Folge abgekürzt mit Z und M.