Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philipp Bloch
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 steuerte Bloch eine Charakteristik und Inhaltsangabe des ״More Nebuchim“ bei, die Genauigkeit und Gründlichkeit in der Wieder^ gäbe des philosophischen Hauptwerkes des Maimonides mit ungemeiner Klarheit und Durchsichtigkeit der Darstellung verbindet. Während er in der. Religionsphilosophie ein auch sonst viel behandeltes Gebiet erforschte, war er Jahrzehnte hindurch fast der einzige, der sein Interesse auch der jüdischen Mystik und der Kabbala zuwandte, und in seiner Generation der beste Kenner dieses Gebietes. Seine Teilnahme gehörte allerdings nicht sowohl den Impulsen mystischer Frömmigkeit, die in der Kabbala leben, als ihren mannigfachen Gedankenbildungen an. Daneben fesselte die Fülle eigenartiger Persönlichkeiten, das bewegte Leben vieler Vertreter der Kabbala und der bunte und phantastische Legendenstoff sein psychologisches Interesse. Seine erste Arbeit auf diesem Gebiete: ,,Die Jorde Merkaba, die Mystiker der Gaonenzeit und ihr Einfluß auf die Liturgie“ (MGWJ 93) gehört zu dem besten, was er geschrieben hat. Sie behandelt diejenige Richtung der damaligen Mystik, die an Ezechiels schon im Talmud mystisch gedeutete Schilderung des göttlichen Thronwagens, der. Merkaba, Spekulationen über die göttliche Herrlichkeit und die sie umgebende Engelwelt knüpft. Das wichtigste, von der späteren Forschung als sicher anerkannte Resultat ist der Nachweis des starken Einflusses, den diese Mystiker auf die Entwicklung unserer Liturgie, vor allem auf die Ausgestaltung der Keduscha mit den Schilderungen der Engelchöre gewonnen haben. Eine Ergänzung zu diesem Aufsatz hat Bloch in seiner Abhand-r lung: ״Rom und die Mystiker der Merkaba“ als Beitrag zu der Fest-: schrift zum siebzigsten Geburtstag Jakob Guttmanns (1915) gegeben. ^Er führt hier in geistvoller aber sehr kühner Hypothese gewisse in der Literatur dieser Mystik enthaltene Legenden auf römische Geschehnisse des sechsten Jahrhunderts zurück. - Eine Gesamtdarstellungder jüdischen Mystik und Kabbala hat er im Jahre 1896 im dritten Bande des Werkes von Winter und Wünsche veröffentlicht. In Anlage und Haltung stimmt sie mit der früher besprochenen Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie Überein, ist* aber die wesentlich selbständigere Leistung, bei der sich Bloch nicht in •gleichem Maße auf Vorarbeiten stützen konnte. Die einzige ältere Gesamtdarstellung Franks, ״Geschichte der Kabbala“, hielt an der überlieferten Annahme von dem hohen Alter der Kabbala im wesentlichen fest und kam darum als Grundlage für eine kritische Darstellung nicht in Frage; die kritische Forschung aber war bei Einzeluntersuchungen stehen geblieben und hatte kein Bild der Gesanitentwicklung zu geben versucht. Bloch bietet daher etwas durchaus Eigenes in dem Versuch, die verschiedenen Entwickluxigs-