Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philipp Bloch
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Die ersten religionsphilosophischeri Arbeiten Blochs sind offenbar durch die Handschriftenkopien, die er in München hergestellt hatte, veranlaßt worden. Noch in München kam die Abhandlung zustande: ״Ueber die zweite Uebersetzung des Saadjanischen Buches: Emunoth wedeoth (Glaubensansichten und Lehrmeinungen)" (MGWJ XIX). Das Hauptwerk des Begründers der jüdisehen Religionsphilosophie war nur in der in ängstlicher Treue dem arabischen Original sich anschmiegenden hebräischen Uebersetzung Juda ibn Tibbons bekannt. Eine im früheren Mittelalter viel benutzte, wahrscheinlich ältere hebräische Uebertragung, die das Original in großer Freiheit umschreibt, war späterhin ganz in Vergessenheit geraten.־ Bloch gibt eine eingehende Charakteristik und Würdigung dieser Uebertragung; seine Arbeit ist, trotzdem kurz darauf ein Meister wie Zunz dasselbe Thema behandelte, noch heute unentbehrlich; 1879 erschien unter dem Titel: ,,Vom Glauben und Wissen'' die Uebersetzung der Einleitung des ersten Buches des Emunoth. Sie ist" durch gründliches Verständnis des Textes wie durch, sprachliche Gewandtheit ausgezeichnet und noch heute nicht veraltet, obwohl seither das arabische Original ein schärferes Verständnis mancher Einzelheiten ermöglicht hat. In demselben Jahr ließ Bloch auch den Text und die Uebersetzung eines Kapitels aus dem letzten originalen Werke der jüdischen Philosophie des Mittelalters, dem Or Adonai (Gotteslicht) des Chasdai Creskas erscheinen, das er nicht ohne Grund als־ die vielleicht tiefste und originellste Schrift der mittelalterlichen jüdischen Religionsphilosophie bezeichnet. Er gewann auf Grund mehrerer Handschriften einen verständlichen Text, und die beigefügte Uebersetzung trifft die scholastisch schwerfällige aber außerordentlich logische Schreibweise vortrefflich. Daß Ausgäbe und Uebersetzung über das Kapitel: ,,Ueber die Willensfreiheit" nicht hinausgeführt worden sind, ist um so mehr zu bedauern, weil das Handexemplar Blochs zeigt, daß er die Vorarbeiten für eine vollständige Edition weit fortgeführt hatte. 1894 erschien die Darstellung der jüdischen Religionsphilosophie im 2. Bande von Winter und Wünsche: ״Die jüdische Literatur seit Abschluß de-s Kanon". Die Tendenz und Anlage des Gesamt- Werkes, der knapp zugemessene Raum, gestatteten nur eine populäre Darstellung; sie zeigt indessen überall den aus dem Vollen schöpfenden Forscher und ohne im einzelnen Neues zu bringen, ist sie durch die selbständige und treffsichere Charakteristik der wichtigsten Religionsphilosophen auch für den Fachmann anregend und fördernd. Zum 1. Bande des von der Gesellschaft zur Förderung der Wissen- Schaft des Judentums herausgegebenen Sammelwerkes ,,Moses ben Mairnon, sein Leben, seine Werke und sein Einfluß" (1908)