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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 1 · p. Seite 6

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Philipp Bloch
Date
1924-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Mit seinem geistlichen Amte verbunden war eine bedeutsame pädagogische Tätigkeit. Er leitete die Religionsschule der Brüdergemeinde nach den in seiner Münchener Tätigkeit erprobten Grund- Sätzen und erteilte an der Posener Knabenmittelschule den Religionsunterricht in den höheren Klassen. In dauernder Erinnerung wird auch seine fast fünfzigjährige Tätigkeit für das Posener Knaben- Waisenhaus bleiben. Ein charakteristisches Merkmal seines gütigen und erbarmungsvollen Herzens ist die seelsorgerische Tätigkeit, die er den jüdischen Insassen der in der Nähe von Posen gelegenen Irrenanstalt Owinsk widmete. Allmonatlich hielt er in der Anstalt einen Gottesdienst und wandte jedem Einzelnen persönliche Aufmerksamkeit zu. Es ist bezeichnend, daß er einem geistig besonders angeregten Kranken auf seine Kosten eine Zeitschrift hielt. Alljährlich veranstaltete er für die Kranken ein Purimfest und bewirtete sie von seiner Frau und ihren Freundinnen unterstützt mit einem feierlichen Mahl, zu dem alle Bestandteile einschließlich des Geschirrs und der Bestecke von Posen mitgenommen werden mußten. II. Bei dem Ernst, mit welchem er sich in seinen geistlichen Beruf einzuarbeiten bemüht war, entsagte er in den ersten Posener Jahren wissenschaftlicher Tätigkeit. Nur im Jahre 1876 drückte ihm ein edler Zorn die Feder zu seiner temperamentvollsten Schrift: ,,Professor Rohlings Falschmünzerei auf talmudischem Gebiet“ in die Hand. An einzelnen Steilem wies er mit großer Schärfe nach, daß Rohling die von ihm zitierten Talmudausgaben nicht benutzt habe und daß ihm jede Kenntnis der rabbinischen Literatur abgehe. Später, als er mit seinen amtlichen Pflichten in glatte Geleise gelangt war, begann er, seine Muße wissenschaftlichen Studien zuzuwenden. Das Jahrzehnt von 1885—95 war die produktivste Periode seines Schaffens, das in späteren Jahren quantitativ, aber nicht an der Vorzüglichkeit der Arbeitsleistung abnahm. Charakteristisch für seine Arbeit ist es, daß er mit Vorliebe Einzelthemen, oft sehr spezieller Art, behandelte. Allein es ,war ihm niemals um die Einzeltatsache als solche zu tun. Was ihn reizte, war das geschichtliche Leben, das sich in den Einzeltatsachen offenbart, mochte es sich um eine bestimmte Gedankenrichtung, um eine Einzelpersönlichkeit oder auch nur um die Eigenart irgend eines Buches handeln. In dem .Feinsinn solcher geschichtlichen Deutung liegt der besondere Wert vieler seiner Arbeiten, und seine lebhafte, anschauliche und oft geistreich pointierte Dar- Stellung bringt solche Deutung glücklich zur Geltung.

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