Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philipp Bloch
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 DasPösener Amt bot gewisse Schwierigkeiten. Die Brüder-־ gemeinde war eine private Gesellschaft innerhalb der Synagogengemeinde, ihr . Rabbiner war also im rechtlichen. Sinne nur Privat- Beamter, und Bloch hatte die schwere Aufgabe, sich selbst und der von ihm vertretenen liberalen Richtung des Judentums das gebührende Ansehen der durch die Hauptgemeinde vertretenen orthodoxen Richtung gegenüber aufrecht zu erhalten. Auch in seiner eigenen Gemeinde gab es verschiedene einander befehdende Richtungen, von denen jede das geistliche Haupt für ihre Anschauungen gewinnen .wollte. Bloch selber hat einmal bei Gelegenheit einer Gedächtnisrede für einen ihm nahestehenden Kollegen die schwierige Lage eines Rabbiners in unübertrefflicher Weise geschildert: ״Es gibt wohl heutzutage kein Amt, an das Forderungen gestellt werden, so un-, gleich, so unbestimmt und widerstreitend wie an dasRabbinat. Jeder einzelne beurteilt den Rabbiner von seinem eigenen Gesichtspunkte aus, während der letztere auf den allgemeinen Standpunkt sich stellen muß. Verkehrt er viel mit Menschen und Welt, kümmert er sich um Angelegenheiten außerhalb seines Berufes, so trifft ihn der Vorwurf, daß er sich in sein Amt nicht vertiefe, daß er sich verweltliehe und zerstreue. Zieht er sich auf seinen Beruf und sich selbst zurück, ist er gar ein Freund gelehrter Forschung, so heißt es, daß die Seelsorge unter seiner Gelehrsamkeit leidet, daß er unpraktisch wird und die Wünsche und Bedürfnisse seiner Gemeinde nicht kennt. Tritt er fest und unbeugsam für traditionelles Herkommen ein, will er wichtige Besonderheiten nicht verwischen lassen, so wird er für starr, unduldsam und zurückgeblieben verschrieen. Zeigt er sich in belanglosen Dingen nachgiebig und nachsichtig, will er der Gegenwart gerecht werden, versteht er sich/um den Frieden und die Einigkeit in der Gemeinde zu erhalten, zu ernsteren Opfern und Zugeständhissen, so wird seine religiöse Gesinnung als unecht oder seine Haltung als schwach verdächtigt.<c In welcher Weise . Bloch aller solcher Schwierigkeiten Herr wurde, das ist für ihn außerordentlich charakteristisch. Seine Waffe war nicht der Zorn und der Fanatismus, sondern die milde Gesinnung und׳ die sanfte Ueberredung, vor allem aber die feste, innere Ueberzeugung von der Richtigkeit seines gemäßigt liberalen Standpunktes. So wußte er seine Gemeinde zur Konservierung des Hebräischen im Gottesdienst anzuhalten, Stürmer und Dränger — so eine Partei, die den Sonnabendgottesdienst auf den Sonntag verlegen wollte —immer wieder zum Verzicht zu bewegen. Ebenso wußte er aber auch ihm unberechtigt erscheinenden Vorstößen der Orthodoxie erfolgreich zu begegnen. . Die *Posener . Brüdergemeinde setzte sich fast ausschließlich aus höher gebildeten Mitgliedern zusammen. Diesem Charakter