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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 1 · p. Seite 3

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Philipp Bloch
Date
1924-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 1868 eröffneten sich ihm auf Empfehlung von Frankel Aussichten auf zwei ansehnliche Stellungen. Es wurde ihm die Leitung des Lehrerseminars in Münster und zu gleicher Zeit die Organisation und Leitung der Münchener Gemeindeschule angetragen. Er zog die Münchener Stelle vor, vornehmlich, da ihn die an Hebraicis reiche Münchener Staatsbibliothek reizte. Des zweijährigen Aufenthaltes in München erinnerte sich Bloch später vielfach mit Behagen als einer besonders befriedigenden und glücklichen Episode seines Lebens. Vermöge seiner hervorragenden pädagogischen Begabung machte ihm die Lösung der organisatorischen und direktorialen Aufgaben, zu denen er nach München berufen war, keine Schwierigkeiten. Von der Münchener Gemeinde wurde er auch zu den hohen Feiertagen aushilfsweise zu Predigten herangezogen und erntete dabei auf der Kanzel seine ersten Triumphe. Seine wissenschaftlichen Studien setzte er mit Eifer fort. In der Staatsbibliothek war er häufiger Gast und kopierte eine Reihe hebräischer Handschriften. Auch in gesellschaftlicher Beziehung hat er sich in München sehr wohl gefühlt. Es war ihm gegeben, durch die Freundlichkeit seines Wesens und den Geist seiner Unterhaltung die Menschen zu gewinnen und die Herzen an sich zu fesseln. So sah er sich auch in München bald als Mittelpunkt eines angesehenen Freundeskreises, aus dem ihm besonders der sächsische Konsul, Kommerzienrat Max von Wilmersdorf er, nahe trat und auch für das spätere Leben treu verbunden blieb. Trotz alledem war es nicht möglich, ihn dauernd auf der Münchener Rektorstelle zu behalten, da er naturgemäß nach einer Rabbinerstelle strebte. Der Zufall wollte es nun, daß im Jahre 1871 durch die Berufung des an der Posener Brüdergemeinde wirkenden Dr. Joseph Perles nach München eine Stelle frei wurde, die für Bloch geeignet schien. Perles selber gab die Anregung, daß er sich sofort meldete und nach einer gelungenen Probepredigt das Amt erhielt. Im Dezember 1871 trat er seine Stellung an, die ihn neuen Lebensaufgaben zuführte. In den ersten Posener Jahren gewann er den kostbarsten Schatz seines Lebens, indem er sich am 16. April 1874 mit der Tochter des Advokaten Dr. Carl Feust zu Fürth, Luise, verheiratete. 49 Jahre bis zu seinem Tode lebte er mit ihr in glücklicher Ehe, der drei Töchter entsprossen. In der treuen Obhut seiner Lebensgefährtin und im Frieden seines von ihr begründeten Hausstandes gelang es ihm, seine Persönlichkeit zur vollen Harmonie auszubilden und die in seinem Innern ruhenden Keime der höchsten menschlichen Tugenden ausreifen zu lassen. 1*

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