Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Philipp Bloch
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Wenige Jahre früher war in Breslau das Jüdisch-theologische Seminar eröffnet worden. Zum Besuche dieses Seminars war Bloch von vornherein *bestimmt. Nunmehr entschloß er sich, dort sofort einzutreten und die Vorbereitung zur Abiturientenprüfung in seinen Nebenstunden zu betreiben. Der Leiter des Seminars, Zacharias Frankel, unterstützte ihn mit großem Wohlwollen. Aus dem Lehrerkollegium scheint vor allem Jakob Bernays in der Feinheit und Eleganz der Forschung und Darstellung sein Vorbild geworden zu sein. In der gleichen Richtung wirkte aber auch Joel durch Schärfe und Prägnanz der Gedankenführung auf ihn ein. Von Grätz, zu dein er bis an sein Lebensende mit höchster Bewunderung aufblickte, lernte er die scharfe Pointierung geschichtlicher Persönlichkeiten. Am Seminar blieb er ein volles Jahrzehnt. 1860 bestand er als Extraneer am Friedrichsgymnasium zu Breslau die Reifepriilung und ließ sich auch an der Universität immatrikulieren. Aus der Reihe seiner Universitätslehrer erinnerte er sich später gern an Braniß, der zu jener Zeit noch Philosophie nach H.egelschen Grundsätzen las. Der Philosophie gehörte auch seine Doktordissertation: ״Ueber den Gottesbegriff bei Aristoteles'' an, die er am 28. Juli 1865 an der Breslauer Universität öffentlich verteidigte (De notione Dei, qualis e totius systematis connexu Aristoteli enascatur). Auch seine Studien am Seminar führten zu einer wissenschaftlichen Frucht, indem er eine auf Anregung von Grätz gestellte F׳r eisauf gäbe: ״R. Simon ben Gamliel II. nach seinen Lebensverhältnissen und seiner geistigen Wirksamkeit" löste '1. Beide Jugendarbeiten sind durch die Vorzüge der späteren Forschung Blochs ausgezeichnet; gedankliche Klarheit, lebensvolle Charakteristik geschichtlicher Erscheinungen und ihre Einordnung in einen umfassenderen geschichtlichen Zusammenhang treten bereits hier charakteristisch hervor. Anfang 1867 legte er am Seminar das RabbinerexamenUnter großer Anerkennung seiner Lehrer ab. Den Gedanken, sich an der Universität zu habilitieren, ließ er auf den Rat von Bernays in Rücksicht auf die mit dieser Laufbahn verbundenen wirtschaftlichen Schwierigkeiteri mit schwerem Herzen fallen. Die beiden Jahre nach dem Examen verbrachte er in Hauslehrerstellen, um vor der Uebernahme eines festen Amtes Welt und Menschen kennen zu lernen. Schon im Jahre 1865■hatte er; eine Studienreise nach Wien gemacht ■und war dabei mit Jellinek zusammengekommen. Sein ganzes Leben hindurch behielt er die Jellineksche Predigtmethode in lebhafter Erinnerung, und es ist kein Zweifel, daß er von ihr tief beeinflußt worden ist. Ende des Jahres * MGWJ XIII.