Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 68

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Einzelbemerkungen zur Lieferung 3 - 6 der Holtzmannschen Mischna-Ausgabe [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
Seite 68 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829915-2829917-2848429--45198-2848528
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

68 S. 71, IX, 4 והקדיחתו יורדל״ es verbrannte [die Wolle] der Kessel“ liest Windfuhr falsch וד״קדיחו und übersetzt: ״d e r verbrennt sie i m Kessel“. S. 75, IX, 7 und 8 משביעך אני״ ich b e s c h w ö r e d i c hce übersetzt Windfuhr: ,,so schiebe ich dir den Eid zu“!! S. 79, X, 1 sagt die Mischna: ,,man darf sich kein Geld wechseln lassen aus dem Kasten der Zöllner“. Den Rabbinen galten nämliöh die Zöllner, die außer dem eigentlichen Zoll von den Reisenden auch anderes Geld zu erpressen pflegten, als Räuber; weshalb sie wie jene zeugnisunfähig waren. In ihrem Geldkasten ist also geraubtes Gut vorhanden, davon soll man auch nicht den geringsten Nutzen ziehen. Windfuhr bemerkt aber: ,,Merkwürdig ist, daß nach der Mischna das Unrecht dem Gelde und nicht der Person der Beamten anhaftet“ S. 82, X, 5 «הגוזל שדר erklärt Windfuhr: ,,D. h. er mäht sich fremdes Getreide ab“. Aber שדדי bedeutet ״Feld“ und niemals ״Getreide“..— Ebenda zu ״ מכדקיץRäuber“ bemerkt Windfuhr: ״Der eigentümliche Ausdruck hat sogar aii Heuschrecken denken lassen (Obadia von Bartinoro)“. Aber hier an Heuschrecken zu denken, ist vor Windführ niemandem eingefallen. Im Talmud wird bloß מסיקין etymologisch mit aram. סקאה Heuschrecke zusammengestellt. S. 83. Zu X, 5 bemerkt Windfuhr: ״Das Beispiel zeigt in seiner Ent- Scheidung, wie man den Diebstahl selbst nicht als strafbare Handlung einschätzte“. Gewiß. Jetzt ist es auch klar, warum der Dieb nicht Zeuge sein darf* 1, warum der Diebstahl selbst in Scherze und um das Duplum und Quadruplum zu zahlen verboten ist2, und warum der Diebstahl ־— selbst wo es sich um den Wert einer Peruta handelt — gleichsam als Mord angesehen wird 3. Dies alles kann ja selbstverständlich nur daraus erklärt werden, daß der Diebstahl nicht als strafbare Handlung eingeschätzt wird4. S. 85, X, 9 heißt es in der Mischna, daß man Eier und Hühner von jedermann kaufen darf. Der Gruna ist klar: w;eil dies Dinge sind, die jeder besitzen kann, sodaß die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls nicht vorhanden ist. Wind fuhr aber muß die Dinge auf den Kopf stellen; daher erklärt er: ״Dinge, die sich zwar ieicht stehlen lassen, bei deren häufigem Verkauf die Vorsichtsklausel aber eine Hinderung des Handels bedeuten würde.“ 4. Middoth — Holtztnann. , S. 21. Die ganze Ausführung ist verfehlt. Da die Mischna an einer Stelle mit Josephus übereinstimmt, so ist es absolut unzulässig, aus ihrem Schweigen an einer andern Stelle auf eine andere Auffassung zu schließen. Wenn aber Holtzmann im Verlauf seiner Ausführung bemerkt: ״Die Zeloten hätten keine griechischen und lateinischen, sondern hebräische bezw. aramäische Inschriften anbringen lassen“, so setzt dies voraus, daß die Griechen und Römer, denen ja das Verbot galt, hebräisch und aramäisch besser verstanden haben als griechisch und lateinisch. Das ist nicht sehr wahrscheinlich. S. 48, I, 2: Erkennen, bemerken heißt: הביר, nicht: נכר. Im Mischnatext ist zu lesen: נבר wurde er erkannt. Chananja: ״Wer eine Sünde begangen, schämt sich vor den Leuten; [so schämt sich auch die Frau ob der Sünde Evas], deshalb geht sie aus מכוסה“. Gen. r. XVII, 8, Afeoth R. Nathan II. Rez. Kap. 9, 13a: ״so hat Eva gesündigt und ihre Töchter dazu gebracht יכסו ihr Haupt“. Also: aus Scham ob der Sünde der Großmutter ordnen ihre Enkelinnen ihr Haar in schöner, künstlicher Frisur k la Pompadur! Daß R. Josua dies gemeint, dürfte auch Krauss nicht zu behaupten wagen. Aber sollte es im Ernst des Beweises bedürfen, daß גלה und ״ כסהentblößen“ und ״bedecken“ bedeutet? 1 Synhedrin 25b, 27a; Mischneh Torah עדות X, 4. 2 Tosefta Baba Kamma X, 37; Sifra zu Lev 19n; Baba Mezia 61b oben. 3 Baba Kamma 119a. 4 Es ist nicht ersichtlich, ob Windfuhrs Bemerkung bloß auf Unkenntnis zurückzuführen ist oder auf den Einfluß Chamberlains, der in seinem Buche ״Goethe“, S. 692, sich die verleumderische Fälschung leistet: nach dem Talmud ״ist der Jude frei, nach Herzenslust zu übervorteilen“. Vgl. dazu Ziegler in der Allgemeinen Zeitung des Judentums 1914, Nr. 18.;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.