Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 8)
- Language
- German
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33 des Täufers begrüßt, hüpft das Kind in deren Leibe und sie wird, des heiligen־ Geistes voll“ 1. Auch Zacharias, der Vater des Täufers, wird im Verkehr mit seinem Söhn ,,des heiligen Geistes voll und weissagt“; das Kind selbst wächst heran und wird stark im Geist (Lk. 167» 80)• ־־- Der ״Geist“ erscheint also nicht in erster Reihe als Persönlichkeit, wie bei Mtth., sondern als Kraft, u. z. als göttliche Kraft. Von ihrer befruchtenden Wirkung wird unter dem Einfluß der älteren Erzählung zwar geredet, aber mit merkwürdig ehrfürchtiger Um- Schreibung2; das Hauptgewicht fällt auf die inspiratorischen Wirkuhgen3 4. Indem die Beziehung des. Geistes zu Maria . vorwiegend als Erfüllung mit prophetischer Kraft aufgefaßt wird, muß sie namentlich jedem Griechen verständlicher und glaubhafter werden. Verständlicher: denn der Grieche kannte, wie wir bereits nach L. 32 ff. ausgeführt, die Vorstellung, daß der prophetische Geist in den Leib der Priesterin dringt, und er wußte aus dem Semelemythos (L. 41), daß alle, die mit der schwangeren Mutter des Dionysos in Beziehung kommen, ,,des Gottes voll werden“; aber auch dem Juden war weder die Vorstellung eines embryonalen Ergriffenseins vom Geiste noch die einer ansteckenden Wirkung des Geistes unfaßbari. Glaubhafter: denn für die Begnadung 1 Nach L. 22 ff. 2 Lk. 135: ,,Der heilige Geist wird zu dir kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren ־wird, Gottes Sohn genannt werden.“ Den Ausdruck i־!r1ax.1dCe1v. sucht L. 25 ff. (unter Zurückweisung offensichtlich falscher Erklärungen) zu erläutern durch Hinweis auf Phiions Lehre, daß der göttliche^. Geist erst' nach ,,Verdunkelung“ des Menschengeists seine inspirierende Wirkung äußern kann; das scheint sehr weit hergeholt; man wird daran erinnern dürfen, daß Graetz (Gesch. der Juden VI letzte Textseite) die Worte ממלאכי רום אמך הרתה wiedergibt: ״so haben Himmelswesen deine Mutter beschattet“. 3 Wenn obige Auffassung richtig ist, so ist Lukas (oder der Redaktor) mit der mythischen Vorstellung von dem zeugenden heiligen Geist genau so umgegangen, wie nach Heinzes schönem Nachweis (Virgils epische Technik 285 ff.) Vergil mit den Göttern des Volksglaubens: auch dieser will ״so viel positive Wahrheit wie möglich in der mythischen Hülle geben“ und setzt z. B. die Juno, ohne den Glauben an ihre Persönlichkeit zu zerstören, mit der Luft, die sie nach stoischer Lehre darstellt, in sehr nahe Beziehung. — Vielleicht hängt mit dieser vergeistigten Auffassung der Empfängnis die Legende zusamtnen, daß Maria per aurem concepit: Krauß, Leben Jesu 166 (frdl. Mitteilung des Herrn Prof. Krauß). 4 Zur Erwählung vor der Geburt ist auf Ri 13״, -Jer ls zu verweisen, aber auch auf die talmudische (Sota 30b), wenn auch unter exegetischem Zwange entstandene Legende, daß in das inspirierte (Mechilta zu Ex 1431, 15!) Lied am Schilfmeer auch die Kinder im Mutterleib eingestimmt haben. Daß Wirkungen auf die schwangere Mutter den Geist des Kindes beeinflussen, zeigt j. Chag. II 77a (ähnlich Ruth r. zu 313): ,,als die Mutter des (nachmals Monatsschrift, 67. Jahrgang. 3