Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 6)
- Language
- German
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31 wie wir MGWJ 66, 271 ff. zeigten, nicht überzeugt. Von einem solchen Mysterium findet sich nirgends eine Spur. Trotzdem enthält sein Lösungsversuch einen sehr berechtigten Kern. Zunächst ein Wort zur Fragestellung. Es kann sich nicht darum handeln, den Glauben an die Gottessohnschaft als s o 1 c h e n zu erklären. Männer, die als ,,Gottessöhne‘* und ,,Heilande“ auf״ traten, gab es, wie wir aus einem Celsusfragment1 wissen, zur Zeit Jesu nicht wenige. Es ist also nur die besondere Fassung, die Ersetzung des zeugenden Gottes durch den ,,Geist“ zu begründen. In ihr liegt offenbar weder eine (bewußte oder unbewußte) Anpassung an das reine Heidentum 2, dem Göttersöhne geläufig waren, aber nicht Zeugungen des Geistes, noch an das offizielle Judentum, dem die Lehre von einem Sohn Gottes in anderem als bildlichem Sinn durch keine Umschreibung nahegebracht werden konnte. Wohl aber mochte das möglich erscheinen bei den — der rabbinischen Schrifterklärung ferner stehenden —Kreisen״ in deren Glauben und Aberglauben uns die Apokryphen und darin und wann einmal eine Talmudnotiz Einblick gewähren. Wenn L. 19 L damit rechnet, daß ihnen der Glaube an die Befruchtung einer Frau durch einen Geist verständlicher erscheinen mußte als die — jedem jüdischen Empfinden aufs höchste widerstrebende — Vaterschaft der Gottheit selbst, so mag er Recht haben. Wohl ist solcher Glaube nicht ausdrücklich bezeugt; und Diskussionen, wie sie die islamischen Rechtsgelehrten führten, ob Kinder aus Verbindungen von Geistern und Menschenfrauen zu der für den Gemeindegottesdienst erforderliehen Beterzahl zuzurechnen sind3, wären im Judentum nichtdenkbar. Aber wenn auch Juden damit rechneten, daß eine Schlange ,,ihre Begierde auf ein Weib richtet“ 4, so ist ,das nur erklärlich aus der überaus weit verbreiteten Vorstellung vom dämonischen Charakter der Schlange5. Und man wird doch wohl die Frage stellen dürfen, 1 Orig, gegen Celsus VII 8 f., besprochen bei Wetter, Der Sohn Gottes 4 ff. s Daher ist auch die Meinung Nielsens (Der dreieinige Gott, 1922) hier nicht zu berücksichtigen, nach welchem in der Dreieinigkeitslehre der Mythos von einer aus Vater, Mutter und Sohn bestehenden göttlichen Familie nachwirkt. Denn der heilige Geist ist nach ihm mit der Muttergottheit gleichzusetzen; es bleibt also jedenfalls die Frage, wieso ihm die Rolle des Vaters zuerteilt werden kann. Natürlich bedarf aber das Buch genauer Nachprüfung von Orientalistiseher Seite. [Wird demnächst in der MGWJ besprochen.] 3 Goldziher, Vorlesungen über den Islam 68; anderes bei L. 19 f. 4 Sabbat 110a, zitiert und zutreffend erklärt von Blau, Das alt jüdische Zauberwesen 76 f. 5 Dieterich, Mithrasiiturgie 123; Scheftelowitz 43 ff., auch über Judentum.