Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 5)
- Language
- German
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/ , . י 30 Daß kein reiner Archaismus vorliegt, scheint Mtth. 122g1 zu lehren: ,,Wenn ich in Gottes Geiste die Teufel austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen“. Die Austreibung der Dämonen ist nach einer in den Apokryphen nicht seltenen Vorstellung2 Sache des- Messias; wenn der Geist Gottes dabei dem Messias gegen die bösen Geister hilft, so sind wir jedenfalls in die Einflußsphäre des Parsismus3 eingetreten, dessen Lehre von ״Geistern“ im Sinne von dämonischen Wesen gewiß auf das Judentum der Zeit Jesu und in noch stärkerem Grade der Folgezeit gewirkt, aber, auf den Begriff des h eiligen Geistes im offiziellen Judentum keinen merklichen Einfluß hat gewinnen können 4. Die wichtigste äußerliche Wirkung des Geistes ist aber natürlich die Erzeugung Jesu. Hier geht Leisegang völlig neue Wege. Zwar kennt er ,die ,,Fülle von parallelen Vorgängen und Vorstellungen aus der griechischen Mythologie, aus der jüdischen, der assyrisch׳־ babylonischen, persischen und indischen Literatur“5, die man zur Erklärung der Gottessohnschaft und der jungfräulichen Geburt Christi herangezogen hat. Aber er vermißt in ihnen ״eine genauere Untersuchung der Rolle, die gerade das Pneuma bei der Zeugung des Jesuskindes durch die Gottheit gespielt hat“. Die Lösung glaubt er geben zu können durch die Annahme, daß man in griechischen ,Mysterien dem Pneuma eines Gottes die Befruchtung einer jungfräulichen Priesterin zugeschrieben habe. Als Zeugen sucht er,, wie wir wissen, Philon zu verwerten. Aber dieser Versuch hat uns, 1 Es ist gewiß beachtenswert, daß an keiner anderen Stelle die Geister־־ Vertreibung mit dem heiligen Geist in Beziehung gebracht wird und daß auch unsere Stelle bei Mk. und Lk. anders überliefert ist. Quellenkritische Bemerkungen bei L. 96 ff., auf die wir nicht eingehen, da in jedem Fall die Vor״ Stellung des Mtth. oder seiner Vorlage erklärt werden muß. Bezüglich der nicht immer zutreffenden Ansichten L.s über den ״Namen Gottes“ nach jüd~ Vorstellung sei auf B. Jacob, Im Namen Gottes (Berlin 1903) verwiesen. 2 Belege bei L. 106, 2. 3 Aus Scfie ftelowitz, Die altpersische Religion und das Juden״ tum 133 f. entnehme ich: ״Die höchsten religiösen Werte sind als die Grundkräfte des Ahuramazda aufgefaßt und dann zu beseelten himmlischen Wesen, zu Amesaspentas, geworden. Vohurnanah guter Sinn wird dem Erzdämon Akamanah böser Sinn gegenübergestellt. Ersterer wird einst den letzteren vollständig besiegen. Der heilige Geist (Spento mainyus) ist noch nicht vollständig von Ahuramazda losgelöst, sondern mehr mit seinem Wesen verschmolzen, andererseits doch häufig gesondert gedacht.“״ 4 Doch empfindet Bacher, Terminologie II 205 mit Recht Pes. r. 12a zu Gen 48 als eigentümlich, wo Gott zum heiligen Geist spricht: -הגי^י במהרה להכנסי ־ביעקב שיברכם. Sollte die Hypostasierung unter persischem Einfluß erfolgt sein? 5 L. 14; weitere Literaturnachweise 17, 3.