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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 29

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
Date
1923-01-01
Page
Seite 29 (sequence 4)
Language
German
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29 weist die Angabe, daß der heilige Geist in Gestalt einer Taube erscheint (Mk. 110, Lk. 322), entschieden auf orientalischen Ursprung. In Griechenland hat man an Seelenvögel geglaubt, aber die Taube nimmt unter ihnen keinen so besonderen Rang ein, daß ihre Ver- Wendung ohne weiteres verständlich wäre. Dagegen war sie ,,überall hei den Nordsemiten und den Nachbarvölkern der heilige Vogel und das Symbol der Muttergöttin“ג; sie wurde von den Samaritanern angebetet, bei denen doch mit griechischen Einflüssen nicht zu rechnen ist. 3. Inspirationswirkung. Daß der heilige Geist (s. o. unter e) auf frommen Menschen, insbesondere den Jüngern Jesu, ruhen soll, erscheint aus jüdischer Vorstellung durchaus verständlich. Ebenso, daß er den Simon in religiöse Gehobenheit versetzt, daß er diesem weissagt, er werde den Messias erleben (Lk. 226), und daß er ״den Jüngern eingeben wird, was sie sagen sollen“ (Lk. 1212). Auch wenn es nach den Parallelstellen Mtth. 1020, Mk. 13^ heißt, daß alsdann ,,nicht die Jünger reden, sondern der Geist“, so ist das eine besonders scharfe Fassung jüdischen Inspirationsglaubens, der freilich in diesem Punkte mit den heidnischen zusammentraf1 2. Wenn endlich Jesus (s. unter d) meint, die Sünde gegen ihn sei vergebbar, nicht aber die gegen den heiligen Geist, so ist das (gleichviel welches der ursprüngliche Zusammenhang des Ausspruches war) nur eine Um- Schreibung von Dt 18193 unter Voraussetzung des Glaubens, daß die prophetische Begnadung auf der Wirkung des Geistes beruht. Ganz anders steht es mit der Glossolalieim sog. Pfingstwunder und bei Paulus. Leisegang ist vollkommen im Recht4, wenn er S. 113 ff, den unjüdischen Charakter dieser Vorstellung feststellt; wir gehen darauf nicht näher ein, um uns nur an die Synoptiker zu halten. 4. Aeußere Wirkungen. Wenn der ,,Geist“ Jesum in die Wüste treibt (Mk. 112, Lk. 4X, vgl. 14), so hat jeder jüdische Leser bei diesen Worten sicher an die Simsongeschichte (Ri 1325) gedacht. Trotzdem ist dies Zurückgreifen auf die biblische Vorstellung merkwürdig, da man in rabbinischer Zeit dem heiligen Geiste, wie wir wissen, derartige äußere Einwirkungen nicht mehr zuzuschreiben pflegt..’ 1 Detlef Nielsen, Der dreieinige Gott in religionsgeschichtlicher!Beleuchtung, Berlin 1922, I 392. Weitere Literatur bei L. 88, 1; über Ghullin 6 a (Samaritaner) handelt, wie ich nachträglich sehe, Funk MGWJ 54 (1919) 23ל; vgl. auch Strack- Billerbeck, Kommentar zum N. T. I 124 f. 2 Heinemann, MGWJ 64, 25 f. 3 ,,Und wenn ein Mann nicht hört auf meine Worte, die er in meinem Namen redet, so werde ich selbst das an ihm heimsuchen.“ 4 S. MGWJ 66, 271, 1.

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