Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
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25 Wahrlieitsmut dieses Denkers tief ins Fleisch und die Lebenskraft des Christentums hineinschnitt aus Liebe zum Christentum. Das Judentum hat keine kirchliche Dogmatik entwickelt, von der die geistige Welt des Juden ähnlich belastet wäre. Dies aber bedeutet auch die Gefahr, daß der Gehalt des Judentums dem Bewußtsein zerrinnt. Um so notwendiger ist es, in wahrhaft kulturgeschichtlicher und systematischer Forschungsarbeit den Lebensgehalt des Judentums in die Klarheit des wissenschaftlichen Bewußtseins zu erheben, um das Judentum als unsere Lebensgrundlage zu. erhalten. Freier als es T. seelisch möglich war, werden wir in der Erhabenheit und Innigkeit des jüdischen Gottesbewußtseins die Absolutheit des religiösen Bewußtseins erfassen. Es ist nicht angängig, mit Troeltsch und der protestantischen Theologie im Nationalismus der Propheten lediglich Reste von Partikularismus zu erblicken. Wenn, wie es von den Propheten geschieht, an das nationale Leben sittliche Forderungen gestellt werden, dann untersteht auch das Gut des nationalen Lebens der Herrschaft Gottes in Berufung, Gericht und Heil. Die Unterordnung des Nationalismus unter den Universalismus, nicht seine Negation erweist die Höhe des religiösen Bewußtseins (wie niemand in Fichtes religiöser Würdigung des Nationalismus Rückfall in Partikularismus gesehen hat). Wir erkennen, daß im Gegensatz zur christlichen die Lebensordnungen überfliegenden Ethik des religiösen Enthusiasmus, die j ü d i s c he Frömmigkeit die sittliche Unterordnung der geschieht־ lich-sozialen Lebensordnung unter den Willen Gottes als Gottesgebot fordert. Das religiöse Bewußtsein darf einerseits nicht zur bloßen humanenEthik nivelliert werden, ohne seine metaphysische Wucht und Tiefe zu verlieren. Die religiöse Fundierung gibt dem sittlichen Tun einen seelischen Gehalt tiefster Bedeutung, die Kraft weitanschaulicher Wahrheit. Andererseits aber wird die das religiöse Bewußtsein nährende Macht des Kultus tiefer gewürdigt werden müssen, als es gewöhnlich geschieht. In der religiösen Lebensform lebt jüdische Frömmigkeit, jüdische Geschichte, jüdisches Sein. Auch die Religion individualisiert sich bei aller Selbständigkeit des geistigen Gehaltes nach der Individualität des Lebens. Darum fordert jüdisches Sein die jüdische Gestaltung der Religion. Dessen wollen wir gegenüber der christlich-germanischen Kultursynthese selbst eines . T. eingedenk bleiben. ,,Treue und Wagnis sind die Grundlagen des geistigen Lebens/'