Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
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23 ־ ' ' : י' ׳ lichkeit. Dies führt weit über Gedanken Max Webers hinaus, der zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und Wertentscheidung einen schrof fen Dualismus behauptete, zur Erneuerung einer r o m a ntischen Geschichtsphilosophie. Herders ״Ideen“, Hegels ״Philosophie der Geschichte“, Rankes *,Ideenlehre“, der romantische Begriff gotterfüllter Lebendigkeit und Sinnhaftigkeit des geschichtlichen Werdens erhalten neue philosophische Bedeutung. In selbständiger Auseinandersetzung mit der Geschichtsphilosophie des 19. und 20. Jahrhunderts in all ihren Richtungen wird um das Recht einer metaphysischromantischen universalen Geschichtsbetrachtung gerungen, die die empirische Geschichtserkenntnis zu vollenden bestimmt ist. In vollem Bewußtsein der Kühnheit des Unternehmens soll an eine Darstellung der Weltgeschichte von diesen Leibniz-Bergson-Simmelschen Prinzipien gegangen werden. Hierbei ist sich T. bewußt, daß eine solche Synthese des Geschichtsbildes vom Wertsystem der Gegenwart getragen ist, also nur von individueller Objektivität ist 1. Aber auch das Kulturproblem der Gegenwart kann nicht apriorisch aus reinem Denken, sondern nur aus tiefem Ergreifen der Lebensstruktur und der Kulturgehalte der Gegenwart seine Losung finden, wie es überhaupt nicht apriorische Maßstäbe der Geschichte von rationaler Allgemeinheit, sondern nur jeweilige geschiehtliehe Synthesen gibt. Alle Kultursynthesen gehen aus dem genialen Erfassen und schöpferischen Gestalten der Geistesmächte und Lebensgehalte der Zeit hervor, die ihrerseits im göttlichen All eben wurzeln. Im Christentum, das aller Dogmatik als innerster Kern zugrunde liegt, in der Antike und in den Lebenskräften des germanischen Mittelalters sieht T. nach dem Zusammenbruch der politischen Machtstellung des deutschen Volkes die Gehalte, aus denen seine leiblich-geistige Erneuerung hervorgehen kann/wenn diese Mächte wieder Lebensbedeutung gewinnen. Und da eine Erneuerung der sinnenfrohen Antike in ihrer heidnischen Verherrlichung des Leibes nach der Verinnerlichung der Persönlichkeit durch das Christentum nicht mehr möglich ist, kommt die Antike nur in der humanisierten Form des deutschen klassischen Idealismus für den Aufbau in Frage. So werden Christentum und germanische Lebens bestimmt heit mit ihrer bohrenden Innerlichkeit, faustischen Grenzenlosigkeit des geistigen und seelischen Suchens, der Uferlosigkeit der Phantasie, aber auch dem 1 Troeltsch: Der Historismus und seine Probleme, Ges. Sehr. Bd. III.