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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 18

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 die Resignation und der Pessimismus überwunden werden; Nicht aber ist diese Metaphysik eine Flucht vor den Widersprüchen des Lebens in das Postulat eines unbekannten und unerkennbaren Jenseits. Die Tatsache geistiger Freiheit fordert ihre D eutung. Ihre naturalistische Ableitung hebt sie auf, anstatt sie zu erklären.. Nur durch ihre Beziehung auf den absoluten Lebensgrund als Tat göttlicher Freiheit ist die Selbstgewißheit kulturellen Lebens gesichert. So ist Gott nicht-Idee, sondern Grund des geistigen Lebens. Wie die Biologie die schöpferische Entwicklung auf den Elan vital des Weltwillens bezieht, wird von ■ Eucken das Geistes leben auf eine weitere, höhere Bekundung des göttlichen Willens begründet1. Und wie die schöpferische Entwicklung die Arten als aus einander unableitbar erklärt, sichert Eucken die Spontaneität und Unableitbarkeit des geistigen Schaffens, bewahrt er das persönliche und geschichtliche Leben der Individuen und Völker vor der Mechanisierung durch eine unentrinnbare Kausalität des Sinnen- und Geisteslebens der Menschheit. Innerhalb des Mechanismus der Natur bricht aus ihm unableitbar die Innerlichkeit und Objektivität des Geistes hervor. Schicksal und Freiheit behalten ihren Gegensatz und ihre Verbundenheit, in der Freiheit aber lebt Gott und sichert ihr Recht gegen das Reich der Notwendigkeit. Wie wir aber gegen die Bergsonsche Identifizierung Gottes mit dem Elan vital geltend machten, daß Gott nicht in den Lebenswillen seiner Geschöpfe eingehe, so widerstrebt es dem jüdischreligiösen Bewußtsein, die Sittlichkeit des Menschengeistes• in der Weise, wie Eucken es versucht, auf einen Durchbruch göttlicher Kräfte im Menschengeist zurückzuführen. Dasist ein neuplatonisches Schema göttlichen Wirkens, das im Christentum seine bedeutsame Geschichte hat. Dem Judentum ist dieses Schema eine Materialisierung göttlichen Wirkens, die der geistigen E r h abenheit Gottes nicht gerecht wird. Und bedarf es für das göttliche Wirken eines solchen Ergießens seines Wesens in die Kreatur? Das Judentum kennt die freie schöpferische Tat Gottes, der den Menschen zu seinem Ebenbilde macht und ihm die Kraft s i 11liehen Wirkens verleiht, ohne Schöpfer und Geschöpf auch nur teilweise zu identifizieren. Grade darum ist die jüdische Religion die Religion der Erhabenheit Gottes, unter dessen väterlichem Schutz die Erfüller seines Willens stehen. In der Zufälligkeit des Daseins der Wirklichkeit und ihrer Gesetzlichkeit, in der Unableitbarkeit der schöpferischen Entwicklung des Lebens,. 1 ־ Jul. G 01 d s t e i n: Wandlungen in der Philosophie der Gegenwart, 191

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