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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 15

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 י■ Sicherheit des Gelingens, die Gewißheit der göttlichen Liebe. Ueber alle Widersprüche des Lebens trägt diese religiöse Zuversicht und breitet über das Menschenleben zugleich den erhabenen Ernst der * Heiligung des Lebens. Im weltlichen Idealismus wird die unsichtbare Welt nicht der sichtbaren Welt entgegengestellt, sondern wird sie zur Tiefe des Lebens, die seiner dauernden Bewegtheit, dem Wechsel seiner Formen, dem Widerspruch seiner Erscheinungen die innere Einheit der Ganzheit gibt. Indem der weltliche ' Idealismus alle Lebensbewegungen auf diese Ganzheit bezieht, wird die Welt zur immer deutlicheren Offenbarung des idealen Gehalt dieser Ganzheit, des Universums. Durch die anorganische Natur, die organische Welt zum Menschen steigt die Selbstentfaltung des geistigen Lebenskernes, bis er im Menschen, seiner Wissenschaft, Sittlichkeit, Kunst, Religion zur Selbsterkenntnis gelangt. In den idealen Hervorbringungen des Menschengeistes waltet diese geistige Tiefe des Lebensgrundes und findet im Reich der Kultur ihre harmonische und bewußte Wirklichkeit. Religiöser und weltlicher Idealismus aber sind von der m o d e r n e n Lebensbewegung nahezu vernichtet. Die Kraft junger Völker hat von der Renaissance an in immer steigenderer Aus- ׳ schließlichkeit von der sichtbaren Welt Besitz ergriffen und sowohl in der Wissenschaft wie im Handeln alle ideologischen Ueberschreitungen der sichtbaren Wirklichkeit als unberechtigte Phantasien von sich gewiesen. Immer klarer erfaßte der Realismus die Natur in ihren rein äußerlichen Zusammenhängen bewegter Massen, hinter denen eine geistige Tiefe oder einen ideellen Zusammenhang zu suchen, phantasievoller Ueberschwang ist. Immer tiefer־ wurde der Zusarnmenhang des Menschen mit der mechanischen Natur erkannt. Die Entwicklungslehre zeigte die Einheit des menschlichen und tierischen Lebens, die Psychologie enthüllte die physiologische Bedingtheit des Geistes, die Macht des Lebenswillens als die treibende Kraft des Kampfes ums Dasein. Als Reste irrationaler Antriebe erscheinen in der mechanischen Welt absolute Forderungen der Pflicht, des Gewissens, der Ehre, des Rechts, der Liebe. So scheint die' Epoche des Glaubens abgelaufen — und doch sträubt sich der Realismus, diese Konsequenz zu ziehen. Ein neuer Glaube an die Vervollkommnung des Lebens durch die organische Vereinigung der menschlichen Willen, die Arbeit an einer sozialen Kultur sei berufen, jene unsichtbare Welt des Glaubens und der Metaphysik zu ersetzen. So werde das Elend und das Leid angegriffen, wo immer es sich einniste, und in dem steigenden

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