Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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u Er kenntnismeth öd e n ־und erteilt dem Kausalprinzip Geltung für alle Seins-Erkenntnis, erhebt also die mechanische Naturerkenntnis zur alleinigen Wirklichkeitserkenntnis. . Der Neukantianismus ist daher ״transzendentaler Positivismus'', der das metaphysische Problem nach einem Sinn der Wirklichkeit nicht löst, sondern Wirklichkeit und Sinn auf den Dualismus zweier Methoden zurückführt. Dieser Gegensatz zwischen Wissenschaft und Glauben müßte hingenommen werden, wenn er wissenschaftlich erwiesen wäre. Das aber ist nicht der Fall. Nur die Mathematisierung der Natur- Wissenschaft und die Naturalisierung der Historie hat zu diesem Resultat geführt. So wenig wie die Unterdrückung des empirischen Charakters der Physik, können wir diese Naturalisierung der Historie anerkennen. Im kulturellen Leben der Menschen lebt die Freiheit nicht bloß als Idee, sondern als die schöpferische Macht des Willens. Demzufolge ist der Men Sch nicht nur ein Komplex von Geschehnissen, sondern ein Sinnzusammenhang, der das Leben gestaltet. Es ist die Aufgabe der Geschichtsphilosophie, das Ineinander von Sinnwirksamkeit und mechanischem Geschehen im Einzel- und Völkerleben zu sondern, und die metaphysische Bedeutung eines jeden der Elemente zu bestimmen. Wir wenden uns den Denkern zu, die diese Aufgabe in Angriff genommen haben: Eucken und Troeltsch. 3. Euckent Das Suchen nach einem Sinn und Wert des Lebens geht aus der tiefen Zerrissenheit des modernen Lebens hervor. Die älteren Lebens- Ordnungen der Religion und des weltlichen Idealismus sind der neuen - des Naturalismus gewichen, ohne daß letztere dem Leben einen Sinn zu geben vermochte: In der Religion stellt der Mensch der sichtbaren Welt der Erfahrung eine unsichtbare Welt des Glaubens entgegen, die dem Leben höchste Ziele bietet. Die Hingabe an Gott bedeutet Erhebung des Menschen zu höchsten Aufgaben, die Unterwerfung des menschlichen Handelns unter absolute Maßstäbe. Die Einigung des Menschenwillens mit dem Willen Gottes spannt seine Kraft zum Heroismus. Gottes Macht, Weisheit und Güte strahlt in die Menschenseele und ergreift die Tiefe der menschlichen Persönlichkeit. Dies bringt wohl viel Spannung und Unruhe in das Menschenleben, aber / auch die Beseligung der Gottesnähe, des inneren Friedens, die 1 Die Einheit des Geisteslebens in Bewußtsein und Tat der Menschheit, 1888; Der Kampf um einen geistigen Lebensinhalt, 1907; Der Wahrheitsgehalt der Religion, 1905; Der Sinn und Wert des Lebens, 1922.