Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 Wissenschaft den Begriff der Natur begründet. Mit dieser Aufhebung der Wirklichkeit im Begriff aber verliert wie die Naturwissenschaft, so die Geschichtswissenschaft ihre Wirklichkeitsbedeutung und wird zur methodischen Geschlossenheit konstruktiven Denkens. Hingegen ist •in Wahrheit die Geschichtswissenschaft auf die Erkenntnis der Wirklichkeit gerichtet. Wenn es noch an־ gängig ist, die Begriffe der Physik als Symbole der Wirklichkeit zu betrachten, so liegt alles Interesse der Historie daran, zu erkennen, ,,wie.es gewesen ist“. Mögen die historischen Begriffe diesem Ideal noch so fern bleiben, immer von neuem wird die Historie versuchen, in der Rekonstruktion der Vergangenheit zur geschichtlichen Wirk■־ lichkeit vorzudringen. Dann aber ist es von entscheidender Bedeutung, ob der Zu־ sammenhang der kulturellen Wirklichkeit durch das Kausal־ prinzip bedingt ist, dem sich kein Geschehen zu entziehen ver־ möchte, oder ob die Geschichte der Schauplatz der Freiheit genannt werden darf. Rickerts Behauptung des Kausalzusammenhanges ist ein von der Naturwissenschaft auf die . Historie übertragener methodischer Grundsatz. Es wird sich darum handeln, ob die geschichtliche Wirklichkeit eine solche Uebertragung gestattet. Wie die Biologie die Eigenart des Lebens im Prinzip schöpferischer Entwicklung zur Anerkennung bringt, würde das das geschichtliche Leben erfüllende, auf kulturelle Ziele gerichtete Handeln des Menschen seinen Sinn verlieren, wenn dieses Handeln ein bloßes mechanisches Geschehen wäre, das nur von der Historie auf Ideen bezogen wird. Indem Rickert dies behauptet, ist die Synthese von Natur und Kultur auf den Dualismus zwreier Methoden der Wirklichkeitserkenntnis reduziert worden, wobei die Mdthode der Naturwissenschaft auch in der Historie im Begriff der Kausalität sich geltend macht. Die Idee der Kultur steht als bloßer Gesichtspunkt der Darstellung neben dem Kausalzusammenhang des Seienden, und die Geschichtswissenschaft bezieht dieses Sein auf die Idee der Kultur, ,,als ob“ die Wirklichkeit sich auf sie richtete. Die Wirklichkeit verläuft kausal, die Geschichtswissenschaft wirft kulturelle Lichter auf das Drängen und Stoßen der Wirklichkeitsstücke. Damit aber fehlt der Rickertschen Geschichtsphilosophie das Eingehen auf die Struktur des geschichtlichen Objekts, insoweit es nicht nur auf die Idee‘der Freiheit bezogen, sondern Kulturwirklichkeit ist. Der absolute Idealismus des N eukantiahismus, sowohl Marburger wie Freiburger Richtung, verwandelt das Problem der kulturellen Bedeutung der Wirklichkeit in ein Problem der