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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 11

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 sondern Kulturwissenschaft/ die den Werdegang kultureller Entwicklung zu erfassen sucht. Wenn irgend wo, muß daher im geschichtlichen Leben der Menschheit der Zusammenhang von Natur und Kultur sich enthüllen und in der Geschichtswissenschaft zur Erkenntnis gelangen. Es ist das Verdienst Rickerts, die von der Naturwissenschaft verschiedene Methode, der Ge־. Schichtswissenschaft zum Gegenstand eindringlicher Ana־* lyse gemacht zu haben. Dieser Besinnung auf die Methode geschieht־■ licher Erkenntnis wenden wir uns zu, um das Verhältnis von Natur und Kultur zu klären. Die jüdische Religion.ist es gewesen, die das geschichtliche Leben, nicht allein des jüdischen Volkes, sondern der Menschheit auf die Verwirklichung des göttlichen Willens gerichtet und damit dem Leben der Menschheit ein einheitliches Ziel gegeben hat. Steht die geschieht־־ liehe Erkenntnis mit diesem Glauben an eine von Gott geleitete weltgeschichtliche Entwicklung der Menschheit im Einklang? Im Unterschiede zur Naturerkenntnis will die Geschichtswissenschaft nicht die naturgesetzlichen Zusammenhänge der Wirklichkeit als solche erfassen. Sondern im Mittelpunkt des geschichtlichen Interesses steht der Mensch, sein Werden, seine Taten. Dieses Werden, c^iese Taten sucht die Historie zu erkennen. Hierbei aber gelangen nicht alle Menschen und ihr ganzes Leben zur Darstellung, sondern nur die kulturell bedeutsamen Menschen und Taten. Diese geschichtlichen Tatsachen stellt die Historie dar, indem sie ihre Einmaligkeit und Bedeutsamkeit festzuhalten und zu verstehen sucht. Es ergibt sich also, daß die Geschichte von einem selbständigen Forschungsziel getragen ist, und daß sie von diesem Forsehungsziel. geleitet an die Darstellung der Wirklichkeit herangeht. Dieses Ziel ist Erkenntnis der zur Idee der Kultur in Beziehung stehenden Wirklichkeit in ihrer Individualität, ihrer Bedeutsamkeit und ihrem Zusammenhang. Auch naturgesetzliche Zusammenhänge gehen in die Darstellung geschichtlicher Ereignisse ein, doch nicht als Selbstzweck, sondern als sekundäre Hilfsmittel, um das Werden und Vergehen der geschichtlichen Ereignisse in ihren natürlichen Zusammenhängen zu . begreifen. Der Schwerpunkt der geschichtlichen Forschung aber liegt in der Erkenntnis kultureller Individualitäten. Dies besagt nicht, daß die Historie nur biographische Darstellung einzelner Persönlichkeiten sei, auch und grade die Geschichte eines Volkes, eines Kulturkreises, schließlich der Kulturzusammenhang der Menschheit ist Gegenstand der Historie. Stets aber ist sie

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