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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 9

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 . Alsdann aber hat der Zweckgedankein der Biologie mehr als nur regulative Bedeutung, stellt er die methodische Selbständigkeit der Biologie und die Irrationalität der organischen Entwicklung fest. Die schöpferische Unendlichkeit der Wirklichkeit ist etwas anderes, als der unendliche Prozeß der Erkenntnis, der nur die Entfaltung des logischen Gehaltes der Prinzipien' im System der Erkenntnis bedeutet. Der Eleatismus der logischen Konstanz mathematischer Begriffe steht im prinzipiellen Gegensatz zu der nur in in 'tuitiven Begriffen zu symbolisierenden schöpferischen Entwicklung des Lebens. , Das Bewußtsein der s i 111 i c h e n Aufgabe und das Pflichtbewußtsein ist nicht nur die Erkenntnis der sittlichen Idee, sondern zugleich die Selbstbeurteilung des menschlichen Willens als sittliehen Handelns fähig. Im sittlichen Handeln, erfassen wir die allem bloßen Geschehen überlegene Aktivität unseres Willens. Nicht als Glieder eines Naturmechanismus, sondern als frei wollende Persönlichkeiten stehen wir in der Arbeit der Kultur. Wie tief unsere sittliche Persönlichkeit auch mit unserer Individualität verbunden ist, im Bewußtsein des Sollens und der sittlichen Tat formen wir unser Ich. Cohens Trennung von Natur und sittlicher Idee übersieht das sittliche Bewußtsein der Freiheit als T a t s a c h e. Wenn der Kausal-Monismus kein Gesetz der Wirklichkeit ist, steht der Anerkennung der Tatsache der sittlichen Freiheit kein wissenschaftliches Bedenken im Wege. Dann aber ist auch die sittliche Idee innerlicher und tiefer auf unser individuelles Sein bezogen, als es der Cohensche Rationalismus der Menschheitsidee.anerkennt. Die Individualisierung des sittlichen Bewußtseins hängt aufs engste mit der natürlichen und geschichtlichen Differenzierung der Rassen und Völker zusammen. Schicksal und Freiheit sind Kreise, die in i nauflöslicher Weise ineinanderverschlungen sind. Die Brutalität der 'Rassenethik, wenn man diese Leugnung allgemeingültiger sittlicher Verbindlichkeit noch Ethik nennen darf, und die rationale Idee geschichtsloser Sittlichkeit stehen hierin gleich der geschiehtliehen Differenzierung der sittlichen Kultur entgegen. In Wirklichkeit ist die Sozialethik Cohens selbst nur Ausdruck einer bestimmten kulturellen Lage und steht unter dem Einfluß der Denker des Staatssozialismus. ' Endlich ist G o 11 dem religiösen Bewußtsein nicht die Idee des Zusammenhanges zweier Erkenntnisgebiete, überhaupt nicht ein Komplement zur wissenschaftlichen oder sittlichen Kultur, sondern der das religiöse Bewußtsein ganz erfüllende Gegenstand d.e s

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