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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 8

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 ■ '־ . יי ־ ׳ ' . - ■ zur Methode der Naturerkenntnis. Nicht allein die mathematische ץ Konstruktion und Einfügung in einen mathematischen Zusammenhang, sondern erst ihre Bestätigung im Experiment sichert der Naturerkenntnis ihre Geltung von der Natur. Dann aber ist die Natur nicht mit der Naturwissenschaft identisch, sondern ist die Naturwissenschaft auf eine Natur bezogen, die in den Begriffen der mathematischen Physik zur Erkenntnis gebracht wird. Gewiß bleibt keine Möglichkeit eines Vergleiches der Natur in ־ ihrem Ansichsein mit den Begriffen der Wissenschaft. Aber in Wahr- . nehmung, Beobachtung, Experiment steckt ein Faktor, der trotz aller Rationalisierung der "Erkenntnis nicht aus dieser gewonnen, sondern in ihr nur zur Rationalisierung gelangt. Und dieser Faktor der Erke n ntnismaterie wird in (mit dem Wahrheitsbewußtsein nicht ideutischen) Wirklichkeitsbewußtsein von der Naturwissenschaft selbst auf eine existierende Wirklichkeit bezogen. So ist die Natur nicht mit dem Problem der vollendeten Erkenntnis gleich zu setzen, sondern die Wirklichkeit, die der Erkenntnis die Probleme stellt. Alsdann aber rationalisiert wohl die mathematisch-begriffliche Erkenntnis das Wirklichkeitsbild des naiven Bewußtseins in der Strenge und Prägnanz der mathematischen Begriffe. Die Wirklichkeit aber und die Tatsache ihrer Rationalisierbarkeit selbst sind irrational. Der logische Zusammenhang von Begriffen symbolisiert die Zusammenhänge der Wirklichkeit, ohne daß wir die Wirklichkeit selbst und ihre Zusammenhänge, das Dasein und seine Rationalisierbarkeit logisch zu begründen vermögen1. Mit der Identifizierung von Natur und Naturwissenschaft entfällt aber auch die Notwendigkeit, das Kausalprinzip der Physik zum Gesetz auch der organischen Natur zu erheben und auch in der organischen Natur alles Geschehen auf mechanisch-chemische Zusammenhänge zurückzuführen. Die Wissenschaft selbst hält sich nicht an solche Imperative, sondern modifiziert ihre Methode nach der Struktur der* zu erkennenden Gegenstände. So haben Lamarck und Bergson die psychologischen Begriffe des Willens, der Handlung, der schöpferischen Entwicklung für dem organischen Geschehen entsprechende Kategorien erachtet, die die selbst pseudomechanischen Begriffe der Variation, Vererbung und Auslese im Kampfe ums Dasein zu ersetzen bestimmt sind. 1 A. Lewko w i t 2: Religionsphilosophie des Neukantianismus. Zeit- Schrift f. Phil. u. philos. Krit., Bd. 144. A. Lewko witz: H. Cohen: Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums. MGWJ 1921.

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