Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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T der große Ansporn religiöser Liebestätigkeit, trägt die Anerkennung der Einheit Gottes über alle trennenden Schranken von Nation, Volk und Rasse hinweg, wird die Pflichterfüllung zur Freudigkeit der Gottesnähe. Von der Liebe zu Gott strömt in die sittliche Arbeit ein Zug grenzenlosen sittlichen Enthusiasmus. Wie in der Gottesliebe das Individuum eine seelische Tiefe erhält, die ־vy־eit über seine Bedeutung für den sozialen Organismus kulturellen .Wirkens hinausgeht, so gewinnt seine Verfehlung gegen seine sittlichen Aufgaben eine Absolutheit, die in dem Schmerze der Gottesferne, der Schuld, der Reue und der Erhebung zur Läuterung zur Umkehr, zur Versöhnung mit Gott den unendlichen Wert der einzelnen Menschenseele begründet. Wie die Ethik die Idee der Menschheit, begründet die Religion den Wert der Individualität. Die Religion des jüdischen Monotheismus hat den Gedanken von der Einheit Gottes nach all diesen Richtungen schöpferisch ausgeprägt. Die Nächstenliebe und die Versöhnung mit Gott sind die Pfeiler der jüdischen Religion. Die Liebe zum einzigen Gott ist die religiöse Grundlage der Versittlichung der Menschheit und der Vollendung der Persönlichkeit. Der klassische Bau dieses Systems ist der reine Ausdruck einer Persönlichkeit, die in der Idee das Gesetz und die Freiheit des Menschengeistes erkennt. Gottesliebe, Idee der Menschheit, staatliche Kultur, Naturerkenntnis sind in der wuchtigen Energie philosophischer Durchdringung zur Einheit eines Kulturbewußtseins geformt, das in Treue die idealen Güter der Menschheit wahrt und in ernster Verantwortlichkeit philosophischer Arbeit an dem Aufbau einer Kultur der Humanität wirkt. Ein Lehrer im Ideal, der zur Sittlichkeit leitet. Die Pflicht wissenschaftlicher Wahrheit aber gebietet rückhaltlos unsere Bedenken zu äußern, so wenig wir glauben, daß Cohen diese Bedenken anerkannt hätte. Denn in der Wucht seines ethischen Rationalismsu war gra.de die Fortbildung der Kantischen Philosophie zum System des absoluten Idealismus der reine Ausdruck seines unbedingten sittlichen Idealismus. Gegen diese Fortbildung aber haben wir stärkste wissenschaftliche Bedenken. Die radikale Annäherung der P h y s i k an die Mathematik bis zur Unterdrückung des empirischen Charakters der Wahrnehmung, der Beobachtung und des Experiments in ihrer die Naturerkenntnis mitbedingenden Bedeutung steht im Widerspruch