Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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eine dem Naturleben angehörige anthropologische Tatsache. Die Kulturgemeinschaft aber, wie sie im Kreise der Staatsnation zu verwirklichen ist, darf nicht auf den Kreis des einzelnen Staates beschränkt werden. Die Idee menschheitlicher Gemeinschaft beruft alle Staaten zur Einheit des Völkerbundes, der die Staaten im Reich der sittlichen Freiheit als freie Glieder vereinigt. Wie im Staate müssen im V ölkerbund die Interessengegensätze durch die Idee des Rechts zur objektiven Einheit d er Menschheit geklärt und überwunden werden. Die Geschichte ist der unendliche Prozeß der Verwirklichung des Reiches der Freiheit. Die Freiheit konstituiert die Geschichte, wie das Naturgesetz die Natur. Die Freiheit aber bedeutet nicht eine Durchbrechung des Kausalzusammenhanges der Natur, auch nicht eine hinter dem Kausalzusammenhänge wirksame Realität intelligibler, metaphysischer Mächte, sondern ist die Aufgabe des Reiches sittlicher Persönlichkeiten. Freiheit ist keine Tatsache, sondern eine Idee, das Ziel der sittlichen Arbeit der Weltgeschichte. In der jüdischen Ethik erkennt Cohen die reinste Ausprägung dieser wissenschaftlichen Ideen. Die prophetische Ethik der sozialen Sittlichkeit, der Unterordnung des Staates unter die Idee der Gerechtigkeit, der messianischen Zielsetzung der Geschichte im Reich des Rechts und des Friedens ist die Ethik der ihre Kulturaufgabe erfassenden Menschheit. c) Religionspiulosophie. Natur und S i 111 i c h k e i t in der Verschiedenheit ihrer Grundlagen und ihrer Ziele aber erlangen ihre systematische Ein he i t in der Religion. Der Glaube an Gott ist der Glaube an die Unterordnung der Natur unter den sittlichen Endzweck der Geschichte. Dieser Glaube findet seine Rechtfertigung in der Erkenntnis der geistigen Grundlagen'sowohl der Natur wie der Sittlichkeit. Die Idee Gottes ist das Bewußtsein des systematischen Zusammenhanges der naturwissenschaftlichen und der sittlichen Wahrheit. Wie ohne diesen systematischen Ab- Schluß die Naturerkenntnis und die sittliche Erkenntnis zusammenhangslos wären, ist ihre Vereinigung in der sie zur Einheit führenden Id e e Gott es d er G r u ndsatz der W a h r h ei t. ‘ Die s i 111 i c h e Gottesidee erlangt erst im r e 1 i •g i ö s e n Bewußtsein ihre volle Auswirkung. Erst in der Tiefe der Gottes- TTe-b'e wird die Sprödigkeit des menschlichen Egoismus überwunden und die brüderliche Gemeinschaft der Menschen in der N a c Ü s fern 11 e be/erreicht.' Nun 'wird •'die־ Tatsache des M e n sc h e n Lei 'des