Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Gegenständlichkeit als nichts anderes denn als Ausdruck eines gedanklich notwendigen Verhältnisses der Zusammengehörigkeit zu verstehen ist1/‘ Materie und Bewegung, Kraft und Masse werden in dieser Weise als Instrumente der Erkenntnis begriffen. So wenig der Begriff des Unendlich-Kleinen sinnliches ,,Dasein‘■‘ besitzt, sondern eine Grundrichtung des Denkens bezeichnet, ebensowenig hat das naturwissenschaf tliche Objekt eine andere Wirklichkeit als die der sachliehen Geltung, ebensowenig ist die ״Gegebenheif‘ der Natur etwas anderes, als die Gegebenheit des Problems. Die W i r k 1 i c h k e i t der Natur ist die Idee ihrer vollständigen Erkenntnis. Die Unabschließbarkeit dieser Erkenntnis ist die Unendlichkeit der Natur, ihr ewiges ,Werden, ihre schöpferische Entwicklung. Die Einheit der Erkenntnis aber ist die Kontinuität der Methode. ״In diesem Grundgedanken also der Philosophie als Methode, und zwar Methode einer unendlichen, schöpferischen Entwicklung, glauben wir den Kern, den unzerstörbaren Grundgehalt der ,,transzendentalen Methode“ als der Methode des Idealismus und somit den unzerstörbaren Grundgehalt der Philosophie Kants festzuhalten und erst zu reiner Durchführung zu bringen2.“ Erweist die mathematische Physik den idealistischen Aufbau der Naturerkenntnis aus der Selbstgesetzgebung des Geistes, so erfordert die Beschreibung der Lebensformen, die Erkenntnis der o r g a - ni sehen Natur eine andere Methode. ,,Denn die Naturformen .wollen■ nicht nur als Gleichgewichtsverhältnisse unter den Bewegungs- Vorgängen, sie wollen vielmehr in der' Qualität ihrer Struktur bestimmt sein. . . . Aber wenn schon in der Chemie selbst die An- Ordnung und Unterscheidung der Elemente als solcher ein anderes Prinzip neben dem des materiellen Punktes notwendig macht, so wird die Dringlichkeit eines solchen unverkennbar bei den Organismen, die immerhin zwar als mechanisch-chemische Aggregate erforscht werden mögen, dennoch aber Einheiten bilden, die von jenen Punkteinheiten der Mechanik der Aufgabe und dem Interesse der Forschung hach sich unterscheiden3.“ . Dfer Zweckbegriff, der die Beschreibungder Organismen leitet und zur Einheit des Begriffs züsammenfaßt, aber hebt die Geltung des Kausalbegriffs nicht auf, sondern leitet das Kausaldenken zur Erforschung derjenigen Zusammenhänge hin, die die 1 E. -Cassirer: ebenda, S. 259. \ 2 P, Natorp: Kant und die Marburger Schule. Festheft, S. 200. 3 Cohen: Kants Theorie der Erfahrung, S. 508.