Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Bewußtsein kommt, die Bedeutung des wissenschaftlichen Materials ■beimißt, an denen die Kraft der wissenschaftlichen Synthesen sich zu entfalten und zu bewähren habe, so verlieren bei Cohen die ״Empfindungen‘* die Rolle eines nicht-logischen Faktors der Erkenntnis und konzentriert sich die Arbeit der Physik in dem Aufbau ihrer Gegenstände aus den mathematischen Begriffen der Größen und deren funktionellen Zusammenhang. Der entscheidende Begriff der mathematischen Physik ist der der Bewegung, die Gesetze der Bewegungen mathematisch zu bewältigen ist die Erkenntnisaufgabe der Physik.. Ihr wichtigster Begriff ist daher der des Unendlich-Kleinen, aus dessen kontinuierlichem Wachstum die intensiven und extensiven Größen und aus dessen Gesetz des Wachstums die Zusammenhänge der Größen sich mathematisch erhellen. So ist die Natur der Geltungszusammenhang mathematischer Begriffe. ,,Die ״Fakta** der Natur- Wissenschaft gelten fortan nur in soweit, als sie sich in sicheren und exakten Urteilen beglaubigen lassen. Zu solcher Sicherheit ist aber lediglich dadurch zu gelangen, daß die besonderen Natururteile in den allgemeinen Grundurteilen der Mathematik gleichsam verankert werden1 *.** Nicht allein aber ist die Physik die Erkenntnis der Natur, sondern die Natur selbst ist gar nichts anderes als die Erkenntnis der Physik. Natur und Physik sind identische Begriffe. Denn ״Dinge** sind uns nicht anders, denn als Inhalte möglicher Erfahrung gegeben, Erfahrung aber ist der objektive Zusammenhang von Urteilen. Der objektive Zusammenhang der Urteile ist bedingt durch die methodische Einheit, in der die Urteile gebildet werden, ist also von dem obersten Grundsatz der Erfahrung, dem Grundsatz der Einheit getragen. Die .,Einheit der Erfahrung aber wäre vernichtet, wenn die Erfahrung noch von etwas anderem, als ihrer Methode bedingt wäre. So wie die Mathematik aufhören würde Wissenschaft zu sein, wenn sie von Uebereinstimmung mit ״Tatsachen** abhängig wäre und nicht vielmehr die Tatsachen identisch w7ären mit den mathematischen Begriffen, so kann die Naturwissenschaft keine von ihr unabhängige Natur anerkennen, sind die naturwissenschaftlichen ״Realitäten** ideale Gebilde. ״Die Idee begründet die ״Sachheit**, aber freilich nur als Sachlichkeit und Notwendigkeit des Urteils, der Begriff wird zum ״Grunde** des ״Gegenstandes*‘, wobei aber die 1 E. Cassire.r: Hermann Cohen und die Erneuerung der Kan tischen Philosophie. Festheft der Kantstudien, S. 205. 1