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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 2

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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sehr, wie der Ernst des Kulturwillens verlangen eine Klärung dieses Dualismus von Natur einerseits, Leben und Geist andererseits. So ' sieht sich die Religionsphilosophie genötigt, bereits in der Natur• Philosophie ihre idealistische Stellungnahme zu begründen, Natur und Kultur in der Verschiedenheit ihrer Grundlagen als sich nicht selbstvernichtend zu erweisen. \ 1. Cohen1, a) Logik. Grade vom Boden der mathematischen Naturwissenschaft sucht C o h e n die Selbstgesetzlichkeit des Geistes zu erweisen: Der philosophische Idealismus kann die in der Erkenntnis der Physik vorliegende Geistesarbeit nicht übersehen, ohne seiner selbst zu vergessen. Wie die Mathematik das stolzeste Zeugnis der Kraft des Geistes ist, Wahrheit unabhängig von aller sinnlichen Wahrnehmung und Erfahrung durch sich selbst zu finden, in den Zusammenhängen der mathematischen Begriffe die Einheit der mathematischen Methode als schöpferischen Geltungsgrund zu erfassen, so verrät der Name der Physik als mathematischer Physik bereits, daß auch hier der wissenschaftliche Charakter der Physik auf der Einheit der Methode beruht, in der die Erkenntnis der Physik gewonnen wird. Denn nicht ist der mathematische Charakter der Physik ein zufälliges Merkmal, sondern ihre wesenhafte Eigenart. Seit den Tagen der Renaissance, seit Kopernikus, Kepler, Galilei, Gassendi, Boyle, Hm^ghens, Newton hat die Physik den Aristotelismus der Naturbetrachtung immer entschiedener überwunden und an Stelle des qualitativ-teleologischen Naturbegriffs der Antike in der Ma^ thematik den wissenschaftlichen Kanon gefunden, der auf diel Natur angewandt, an Stelle von Wortwissen sachliche Erkenntnisl gewährt. . \ Kant bereits hatte in dem mathematischen Charakter der Physik den Angelpunkt zu jener ״kopernikanischen Wendung“ entdeckt, die Erkenntnisgeltung der Physik nicht durch eine Vergleichung der physikalischen Begriffe mit einer nicht erfahrbaren Wirklichkeit, sondern durch Ableitung der physikalischen Begriffe aus mathematischen und logischen Prinzipien, zu erweisen. In einer Kant an rationaler Strenge noch übertreffenden Schärfe sucht C ohen in der Mathematik das logische Fundament der Physik festzustellen. Wenn Kant den ,,Empfindungen“, in denen uns die Wirklichkeit zum 1Cohen: Logik der reinen Erkenntnis; Ethik des reinen Willens; Religion der Vernunft aus den, Quellen des Judentums. Festheft zu Hermann Cohens 70. Geburtstag. Kantstudien, Bd. XVII, Heft 3, 1912.

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