Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Zu Religionsphilosophie der Gegenwart
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Zur Religionsphilosophie der Gegenwart. III. Philosophie des Geistes: Cohen, Rickert, Bucken, Troeltsch. Von Albert Lewko w i t z in Breslau, Wenn in dem Chaos des politischen und ,kulturellen Lebens-, in der seelischen Erschütterung durch den Zusammenbruch der modernen Kultur uns etwas, die Hoffnung auf eine sich anbahnende Rettung und Erneuerung menschheitlichen Geistes zu geben vermag, so ist cs der Blick in die Werkstätten des Geistes, die abseits vom Geräusch des Tages nicht nur die Zufluchtsstätten, sondern die Heerlager des Idealismus sind. Wie der Geist der Menschen die Kraft des Glaubens zermürbt hat, so kann nur der aus den Quellen des Glaubens genährte Geist die Wunden heilen, die er der Menschheit geschlagen hat. Die naturwissenschaftliche Erkenntnis und Beherrschung der Natur hat den Menschen aus der patriarchalischen Abgeschlossenheit seines politischen, wirtschaftlichen, geistigen Lebens in die Weite des Weltzusammenhanges und des Wettbewerbes aller Kräfte geführt. Die unendliche Fruchtbarkeit der mathematisch-mechanischen Methode für die Bewältigung der Natur entfaltete den menschlichen v Geist', und alle Machttriebe des Menschenwesens zu einer nicht ge- .ahnten Energie schaffender Arbeit und des Kampfes um die Herrschaft über die geschaffenen und zu schaffenden Güter. Nietzsches Erklärung der Ideale als ideologischer Maskierungen und Fälschungen des allein wirklichen Willens zur Macht formuliert das Chaos der modernen Kultur. * Gegen diese Ueberwindung des Idealismus mit Hilfe der Natur- Wissenschaft aber ging von der Naturwissenschaft selbst ein immer dringlicher werdender Widerspruch aus. Im Kampf um das Recht des Darwinismus wird zunächst um die Eigenart der Biologie der-Physik und Chemie gegenüber gestritten, hierdurch aber um die Realität nicht — mechanischer Energien des Lebens, der Freiheit, der schöpferischen Entwicklung, der kulturellen Werte. B e r g s o n und Simmel gestalten gegen den Naturbegriff der Physik einen Naturbegriff, der den schöpferischen Kräften des Lebens und Geistes Raum gibt. * Wie aber ist dieser Dualismus zweier Naturbegriffe zu verstehen, welcher von ihnen besteht zu Recht? Ist die Natur mechanistisch oder idealistisch zu erklären? Die Einheit der Wissenschaft ebenso Monatsschrift, 67. Jahrgang.