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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 1 · p. Seite 73

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1922-01-01
Page
Seite 73 (sequence 3)
Language
German
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73 :־ י־; ־:■ . ׳־ /.־■־' den uns bekannten Talmud- und Midraschtexten fehlt dieser Schluß seiner exegetischen Form nach, ist aber dem Inhalte nach gegeben. Die Annahme, daß Raschi und Maimonides einen vollständigen Text vor sich hatten, was auch J. Z. Meklenburg und H. selbst vermuten, ist sehr wahrscheinlich und hat manche Gründe für sich. Zuerst liest sich die Stelle in den genannten Quellen wie ein Zitat, nicht wie eine selbstgemachte Folgerung. Es ist ferner zu beachten, daß es nicht die einzige Stelle ist, die in den uns bekannten talmudischen Quellen fehlt. Maimonides selbst hat eine beträchtliche Anzahl von halachischen Sätzen, für die er exegetische Belege anführt, die in den uns bekannten Quellen fehlen. Haben die auch ursprünglich gefehlt? In den handschriftlichen Funden der neueren Zeit ist schon bisher manches entdeckt worden, das uns zu einer entschiedenen Verneinung dieser Annahme berechtigt, und wir sehen den weiteren Arbeiten auf diesem Gebiete, besonders einer intensiven ' Fortsetzung der Genizaforschungen mit berechtigten Hoffnungen entgegen. Es darf auch die Exaktheit des Mischneh-Tora-Stils nicht allzu gering eingeschätzt werden. Wenn Maimonides eine selbständige halachische Deduktion gibt, so fügt er sein charakteristisches יראה לי hinzu. Und auch dann ist er nicht ganz selbständig. Meistens handelt es sich um die Wahl oder Kombination von bereits vorhandenen halachischen Elementen. Ich möchte hier bloß berührungsweise auf Maachal. Assur 1512 hin weisen, wo es heißt יראה לי שאפילו דבר שיש לו מתירין אם נתערב בשא־נו מינו ולא נתן טעם מדתר. RAbD und andere finden hier das יראה לי recht auffallend, da sich doch für die hier ausgedrückte Ansicht talmudische Quellen finden, aus denen diese Halacha unmittelbar folgt (siehe Kesef Mischneh z. St.). Und doch ist dies, kein schwerer RMbM. Im Gegenteil. Wir sehen hier, wie sehr M. darauf bedacht ist, in seiner dezisorischen Tätigkeit auch das anzudeuten, daß er für die Bevorzugung einer Quelle — hier des Jeruschalmi — keinen anderen Stützpunkt habe als sein eigenes Ermessen. Hier nämlich hätte man die Absicht Rab Aschis Babli Beza 39b Anf. entgegenhalten können, die das Prinzip von דבר שיש לו מתירין auf eine ־^[ בשאינו מינוMischung bezieht, Tossaf. s. v. משום bringen zwar diese Stelle in Einklang mit Jerusch.; Maimonides mag es auch getan haben, sonst hätte er sich Babli gegenüber für den Jerusch, nicht entscheiden können. Aber darin liegt eben schon eine individuelle Tätigkeit des Kommentierens, was Maim. wenigstens mit einem יראה לי andeuten zu müssen glaubte. Es würde mich zu weit vom Gegenstände ablenken, wollte ich hier näher auf die Argumente eingehen, die für die Ursprünglichkeit der meisten bei uns fehlenden Maim.-Exegesen sprechen, wie z. B. der Ausdruck לוקה ואינו חייב כרת in Pesule Hamukd. xviii, 14 mit Bezugnahme auf Lev. וטומאתו עלו(2ל. Die Exegese עד שתהא כל טומאתו עליו ist in den uns bekannten Traditionsquellen nicht enthalten; und doch ist es ganz unwahrscheinlich, ja ausgeschlossen, daß Maim. מלקות-Strafe gesetzt haben sollte auf ein Vergehen, das sich auf eine selbstgemachte Exegese stützt. Auf ähnliche Beispiele will ich noch in einem anderen Zusammenhänge hin weisen. Vor der Hand möchte ich nur noch betonen, daß der Negationsschluß באשר זמם ולא באשר עשה sich auf ein Prinzip stützt, das im talmudischen Strafrecht allgemeine Geltung hat. Die Strafandrohung ist nämlich immer auf das deutlich Geschriebene zu beziehen. Was nicht expressis verbis gegeben ist, bleibt ausgeschlossen. כאשד ומם ולא באשר עשה stimmt also vollständig mit dem Geiste des talmudischen Strafrechts überein. Ob und wie ein Gerichtshof vorzugehen hat, wenn ihm in einem

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